Aleister Crowley: The Equinox Vol. I No. II. Postcards to Probationers


THEOREME
I. Die Welt entwickelt sich durch das Erscheinen des Christus (Genius).

II. Menschen die Christus (Genius) sind, haben ein Überbewusstsein des höchsten Grades.

III. Überbewußtsein der höchsten Ordnung ist mit bekannten Methoden erreichbar.

Indem wir also die Quintessenz bekannter Methoden anwenden, bewirken wir den Fortschritt der Welt.

GRUNDLAGEN DER METHODE
I. Theologie ist unerheblich; denn sowohl Buddha als auch der heilige Ignatius waren Christus.

II. Die Moral ist unerheblich; denn sowohl Sokrates als auch Mohammed waren Christus.

III. Das Überbewusstsein ist ein natürliches Phänomen; seine Bedingungen sind daher eher in den Taten als in den Worten derer zu suchen, die es erlangen.

Die wesentlichen Handlungen sind Rückzug und Konzentration – wie sie von Yoga und zeremonieller Magie gelehrt werden.

FEHLER DER MYSTIKER
I. Da die Wahrheit supra-rational ist, ist sie in der Sprache der Vernunft nicht mitteilbar.

II. Daher haben alle Mystiker Unsinn geschrieben, und was sie an Sinn geschrieben haben, ist bisher unwahr.

III. Doch so wie ein stiller See ein wahreres Spiegelbild der Sonne ergibt als ein reißender Strom, so wird derjenige, dessen Geist am ausgeglichensten ist, der beste Mystiker werden, wenn er ein Mystiker wird.

DIE METHODE DES GLEICHGEWICHTS
I. DIE PASSIONEN, ETC.
I. Da die endgültige Wahrheit der Teleologie unbekannt ist, sind alle Moralvorstellungen willkürlich.

II. Daher hat der Student keine Sorge mit der Ethik als solcher.

III. Er ist folglich frei, „seine Pflicht in jenem Lebenszustand zu tun, zu dem Gott ihn gerufen hat“.

II. DIE GRUNDLAGE
I. Da die Wahrheit supra-rational ist, ist jede rationale Aussage falsch.

II. Der Student soll dann jeder Aussage widersprechen, die sich ihm präsentiert.

III. Da rationale Ideen auf diese Weise aus dem Verstand verdrängt werden, gibt es Raum für das Begreifen der spirituellen Wahrheit.

Es sollte angemerkt werden, dass dies die Gültigkeit von Begründungen auf ihrer eigenen Ebene nicht zerstört.

III. DAS GEISTIGE SENSORIUM
I. Da der Mensch ein endliches Wesen ist, ist er unfähig, das Unendliche zu begreifen. Auch seine Gemeinschaft mit dem unendlichen Wesen (wahr oder falsch) ändert nichts an dieser Tatsache.

II. Der Student soll also jeder Vision widersprechen und sich weigern, sich an ihr zu erfreuen; erstens, weil sicherlich eine andere Vision von genau entgegengesetzter Natur möglich ist; zweitens, weil er, obwohl er Gott ist, auch ein Mensch auf einem unbedeutenden Planeten ist.

Da er auf diese Weise seitlich und vertikal im Gleichgewicht ist, kann es sein, dass er entweder durch Bejahung oder Verneinung, all dieser Dinge zusammen, die höchste Trance erreicht.

IV. DAS ERGEBNIS
I. Trance ist definiert als die ek-stasis eines bestimmten Gehirntraktes, hervorgerufen durch die Meditation über die ihm entsprechende Idee.
II. Der Student sollte sich also davor hüten, dass in dieser Idee irgendeine Spur von Unvollkommenheit auftaucht. Sie sollte rein, ausgewogen, ruhig, vollständig und in jeder Hinsicht geeignet sein, den Geist zu beherrschen, wie er will.

Ebenso wie bei der Wahl eines Königs, der gekrönt werden soll.

III. So werden die Dekrete dieses Königs gerecht und weise sein, wie er gerecht und weise war, bevor er zum König gemacht wurde.

Das Leben und Werk des Mystikers wird (wenn auch nur schwach) die höchste Führungskraft des Mystikers widerspiegeln, die höchste Trance, in die er gelangt ist.

YOGA UND MAGIE
I. Yoga ist die Kunst, den Geist zu einer einzigen Idee zu vereinen. Es hat vier Methoden.

Gnana-Yoga. Vereinigung durch Wissen.
Raja-Yoga. Vereinigung durch den Willen.
Bhakta-Yoga. Vereinigung durch Liebe.
Hatha-Yoga. Vereinigung durch Mut.
Mantra-Yoga hinzufügen. Vereinigung durch Reden.
Karma-Yoga. Vereinigung durch Arbeit.
Diese werden durch die höchste Methode des Schweigens vereint.

II. Zeremonielle Magie ist die Kunst, den Geist zu einer einzigen Idee zu vereinen.

Sie hat vier Methoden.

Die Heilige Qabalah. Vereinigung durch Wissen.
Die Heilige Magie. Vereinigung durch den Willen.
Die Handlungen des Gottesdienstes. Vereinigung durch Liebe.
Die Torturen. Vereinigung durch Mut.
Die Beschwörungen hinzufügen. Vereinigung durch Reden.
Die Taten des Dienstes. Vereinigung durch Arbeit.
Diese werden durch die höchste Methode des Schweigens vereint.

III. Wenn diese Idee eine andere als die Höchste und Vollkommene Idee ist und der Schüler die Kontrolle verliert, ist das Ergebnis je nach Art des Versagens Wahnsinn, Besessenheit, Fanatismus oder Lähmung und Tod (Sucht nach Tratsch und unheilbarem Müßiggang).

Lassen Sie dann den Studenten all diese Dinge verstehen und kombinieren Sie sie in seiner Kunst, indem Sie sie durch die höchste Methode des Schweigens vereinen.

Aleister Crowley

(Quelle)

8 Kommentare zu „Aleister Crowley: The Equinox Vol. I No. II. Postcards to Probationers

  1. Christus (latinisierte Form von altgriechisch Χριστός Christos ‚der Gesalbte‘) steht für: Messias, biblischer Hoheitstitel.

    Und, was für eine antiquierte Sprache; „das Höchste“, „das Heiligste“ …. ist wohl dem Zeitgeist der damaligen Studenten geschuldet ;o)

    Was wir oftmals vergessen, das nämlich alle Erscheinungen bereits ver-einigt sind im Bewusstsein, und das ist selbst schon das Ergebnis eines Aktes von „Liebe unter Willen“, da die Dualität dadurch aufgehoben ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, hab es geändert. Irgendwas lief nicht ganz gerade in meinem Kopf heute morgen. 🙂 Ich fand den Text auch spannend, weil ich derzeit ein Buch über Gnosis lese und doch etwas verblüfft bin, was in dem Buch steht und was Crowley schrieb. Zumal der Autor sich auf die Schriften der Nag Hammadi beruft und die wurden erst 1945 gefunden. Bis dahin hatte man nur Schriften von Menschen die negativ auf die Gnosis eingestellt waren und auch diese Schriften waren eher dürftig an Informationen. Crowley konnte, wenn überhaupt, seine Informationen nur darüber geholt haben, aber sicher nicht die von 1945. Da diese auch erstmal übersetzt werden musste. Sehr spannend das ganze. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. @ Advaita-Vedanta
    https://mystikaktuell.wordpress.com/2020/09/29/ramana-hoerstueck-von-ronald-steckel/

    Hörstück aus der Reihe „Das innere Licht – Texte zur Mystik“ von Ronald Steckel

    Ramana Maharshi (1879 – 1950), gilt als einer der großen spirituellen Meister des letzten Jahrhunderts. Als 16-jähriger wird er von der allumfassenden Erkenntnis durchdrungen, dass das „Selbst“ unabhängig vom Körper existiert und diesen überdauert. Nach diesem Erleuchtungserlebnis verlässt Ramana seine Familie und zieht sich in eine Höhle am „heiligen“ Berg Arunachala zurück, wo er zwölf Jahre in Regungslosigkeit verharrt und kein Wort spricht. Neben dem aus subjektiver Perspektive erzählten Lebensbericht Ramanas stehen Ausschnitte aus Gesprächen, die Ramana mit den zahllosen Besuchern seines Ashrams führte und die in Protokollen erhalten geblieben sind.

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