Willkommen in meinem Kopf, Tod? (v. Claas Hoffmann)

Tod?

Sigrun lag tief schlafend neben mir. In meinem Kopf war es duselig vom Osterfeuerschnaps. Nicht duselig genug. Setzte mich aufs Bett und baute einen Joint. Schmeckte gut. Schaute verträumt auf das Tarotspiel auf dem Fußboden. Ich bin die Inkarnation von Aleister Crowley. Ich war mir sicher. Todsicher. Meine Güte, du bist doch sowas von besoffen und breit! Wen wundert´s da, wenn du dir sicher bist, die Inkarnation von egal wem zu sein?

Lüge ich mir was vor?

Ich bin mir doch jetzt ganz sicher. Ich weiß es. Ich weiß es!

Wußte aber auch, daß ich am nächsten Morgen einen Kater haben und mir gar nicht mehr sicher sein würde, die Inkarnation von irgendwem zu sein. Dieses Gefühl, diese Gewißheit über mein vorheriges Leben, war mir fremd. Es würde verschwinden, wenn ich wieder nüchtern war.

Ich bin die Inkarnation von Aleister Crowley. Ich weiß es.

Da drehte sich Sigrun ein wenig im Schlaf und sprach laut und deutlich:

„This was only possible until there was a dead body.“

Nie zuvor und nie später hörte ich Sigrun etwas im Schlaf sprechen. Über Inkarnation hatten wir vielleicht einmal in der anthroposophischen Schule gesprochen. Bestimmt nicht, seit sie bei mir in Deutschland zu Besuch war. Las sie im Schlaf meine Gedanken? Ich schrieb ihre Worte auf die Pappschachtel meines Tarotspiels.

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