Thelema, ein praktisches Beispiel von einem König und seinen Sklaven

Immer wieder kann man lesen oder hören, wie Gegner von Thelema Verse aus dem LLL nehmen und diese als Gewalttätig und Menschen verachtend interpretieren. Hier ein paar Beispiele:

LLL, 2 Vers 20: (…) Nichts haben wir gemein mit den Ausgestoßenen und den Jämmerlichen: Sollen sie in ihrem Elend sterben. Denn sie fühlen nicht. Mitleid ist das Laster der Könige: tretet nieder die Jämmerlichen & die Schwachen

LLL, 2 Vers 23 – 24: (…) Liebt euch mit brennenden Herzen; über die niederen Menschen stampft hinweg im wilden Gelüst eures Stolzes, am Tage eures Zorns. 24. Ihr seid gegen das Volk, o meine Auserwählten!

LLL, 2 Vers 57 – 59: (…) Somit werden die Könige der Erde auf ewig die Könige sein: die Sklaven sollen dienen. (…) 58. Gebt also acht! Liebet alle, falls da vielleicht ein König verborgen ist! Sprichst du so? Narr! Wenn er ein König ist, kannst du ihn nicht verletzen. 59. Deshalb schlage hart & tief, und zur Hölle mit ihnen, herrsche!

In dem von mir, weiter unten, vorgeschlagenem Video werden die obige Verse aus dem LLL „sichtbar“ gemacht. Vielleicht wird es deutlicher, wie es gemeint sein könnte, wenn man sich das Video anschaut.

Dabei sollte man folgende Punkte beachten

  • Es gibt immer auch eine andere Möglichkeit zu „unterrichten“.
  • Der Mensch, in dem Fall ist es der Sklave, entscheidet ob und was er will und er unterwirft sich dem König, wenn es der Sklave will! (dazu etwas mehr, weiter unten)
  • Der König hat nicht das Recht den anderen generell (also ihn in allen Belangen) als Minderwertig zu verurteilen, denn der Sklave ist genauso einzigartig wie der König und der Sklave hat in seinem „entdeckten“ Universum Fähigkeiten angeeignet, die der König nicht hat. (dazu etwas mehr, weiter unten)
  • Will der Sklave aber lernen, dann soll er auch das tun was der König von ihm verlangt und durchgehen, denn so kann er an sein erhofftes Ziel gelangen. Oder wie Crowley mal schrieb, sinngemäß, wenn du den Eid des heiligen Gehorsam geleistet hast, ist es ratsamer die Anweisungen des Meisters zu folgen, selbst wenn er von dir verlangt aus dem Fenster zu springen.

 

Worum es in dem Video geht.
Es geht um ein Restaurant und die Besitzerinnen, als auch der Chefkoch, führen das Restaurant so schlecht, dass sie Miese machen, das sind die Sklaven. Sie bitten einen Spezialisten, das ist der König Gordon Ramsay, ihnen zu zeigen was sie falsch machen. Ramsey ist ein Spitzenkoch und hat weltweit 35 Restaurant, davon haben 4 Restaurants Sterne vom Guide Michelin verliehen bekommen. Ramsay hat über 15 Bücher geschrieben und veröffentlicht und mehrere Fernsehsendungen. Er hat also eine immense Erfahrung in der Branche.

Die Sklaven sollen dienen
Die Sendung Gordon Ramsay – Chef ohne Gnade verläuft gewöhnlich so ab: er geht in das Restaurant, findet das Essen in der Regel scheiße, das Ambiente ist zumeist ein naja oder katastrophal und die Mitarbeiter sind eh die Vollidioten. Zuerst wird also alles zerlegt was er in die Finger bekommt. Dadurch wird das Verhalten der Sklaven hinterfragt und Ramsay kennt keine Gnade, er schlägt hart und tief mit seinen Worten, trifft den Punkt bei den anderen, so dass die sich sperren und sich weigern zu verstehen worum es bei ihm geht. Das kann man gleich am Anfang sehen, wie er sich sofort mit dem Chefkoch anlegt. Er zeigt ganz klar wer der König ist und wer der Sklave. Einen Tag später schon hat der Sklave Chefkoch dies akzeptiert und dient dem König. Wenn der Status halbwegs geklärt ist kommt der nächste Schritt. Ramsey kommt mit Ideen und Vorschlägen, er schaut die verschiedene Problemfelder an, nimmt sich den Verantwortlichen vor und zeigt ihm das Problem was er oder andere verursachen. Wenn sie es so halbwegs geschnallt haben was alles schief läuft, werden die Aufgaben ggf neu verteilt und man übernimmt Verantwortung. Die Sklaven machen was er sagt und sehen, dass es auf einmal funktioniert. Sie haben im Idealfall ihr Verhalten geändert und dazu gelernt, ihren Horizont also erweitert und kennen ihre Aufgaben. Im Prinzip geht es eigentlich immer um das Verhalten, Gewohnheiten die man hat und die einen hindern erfolgreich zu sein.

Ähnlich ist es bei einem Hundeflüsterer, es wird der Hundehalter erzogen und dann erst macht der Hund das, was der Hundehalter auch will und ja, ich sehe sehr wohl große Ähnlichkeiten zwischen einem Sklaven und einem Hund. Ich pisse auch oft überall hin, wenn ich der Meinung bin, dass der andere Unrecht hat. Doch was schrieb Crowley in seinem Artikel On Thelema?

Was die an anderer Stelle im Buch des Gesetzes gegebene Erklärung des Gesetzes betrifft: „Liebe ist das Gesetz, Liebe unter dem Willen“, ist zwar der Wille, wie oben gezeigt, von absoluter logischer und ethischer Gültigkeit, aber er kann nur durch den Prozess der Assimilation aller fremden Elemente ausgeführt werden, das heißt durch die Liebe. Wer sich weigert, sich mit irgendeinem Phänomen zu vereinen, beraubt sich seines Wertes – sogar des Lebens selbst,

…Übung macht den Meister! 🙂

Der Bettler und der König
In dem Video kann man sehen wie er auf einmal die Bedienung sein muss und wie er damit souverän umgeht. Im AL lesen wir dazu:

LLL, 2 Vers 57: Ein König vermag sein Gewand wählen wie er will: es gibt keine sichere Probe: ein Bettler aber kann seine Armut nicht verbergen.

Das heißt, Ramsey, der König, kann selbstverständlich auch servieren, aber die dortige Mitarbeiter können nicht das was Ramsey alles kann, sie sind die Bettler.

Mitleid ist das Laster der Könige
Ein Vers der Fragen aufwirft. Hat der König also auch Mitleid und empfindet es auch so und sucht deswegen Trost und Bestätigung und bestätigt den anderen wie arm er doch dran ist? Ich denke nicht nur. In dem Video kann man das Laster auch anders sehen. Die Sklaven verhalten sich so, dass man Mitleid mit ihnen haben soll, damit man sie in Ruhe lässt. Das ist das Laster der Könige, dass die Sklaven durch ihr Verhalten (Mitleid) versuchen es dem König noch schwerer zu machen, als es schon ist. Und vielleicht ist es auch das größte Problem eines Königs, darüber hinweg zu sehen und statt den anderen zu bestätigen wie „arm er doch dran ist“ weiter auf ihn zu treten.

Kurze Anmerkungen von Sklaven und Könige
Wie oben schon erwähnt, die Sklaven sagten, König wir brauchen deine Hilfe. Nicht der König sagt, hey lass mich mal ran und ich zeige euch wo der Hammer hängt ohne das die Sklaven danach gefragt hätten, denn sie sollen dienen und nicht, sie müssen dienen. Ebenso wäre der sogenannte König maximal ein Sklavenhalter in der Illusion ein König zu sein. Es sollte auch klar sein, das Ramsey zwar ein König in verschiedenen Bereichen ist, wie Restaurants aufbauen oder Bücher schreiben oder kochen. Aber er ist kein Spezialist in anderen Bereichen, wie zB Brücken bauen oder ein Professor in Germanistik. Wenn er Germanistik lernen will, wird er der Sklave sein und sein Professor der König.

 


Die Stechfliege initiierte diesen Blog.

Autorenseite: Die Stechfliege

 

 

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