Willkommen in meinem Kopf, Außerirdische Ärzte (v. Claas Hoffmann)

Außerirdische Ärzte

Wenige Tage nach dem UFO-Erlebnis fühlte ich einen stechenden Schmerz in meinem linken Hoden. Damit ich wirklich etwas Intensives erleben durfte, brannte und stach es auch in meiner heiligen Rosette.

Abends hatte ich toll mit Diana gefickt, konnte aber wegen den Schmerzen, die mich danach plagten, nicht einschlafen. Ich setzte mich in die Küche und las im Liber AL. Unten auf der ersten Seite des Buches, steht geschrieben:

Das Khabs ist in dem Khu, nicht das Khu in dem Khabs. Verehret darum das Khabs und sehet mein Licht über euch ausgegossen.“

Hier blitzten kleine rote und grüne Lichter auf dem Papier. Klar und deutlich. Wirklich. Ein anderes Licht als das, was einem vor den Augen flattert, wenn man übermüdet oder bekifft ist. Es war deutlich, intensiv, bunt. Diese Lichtblitze hatte ein ägyptischer Gott über mich ausgegossen.

Khabs“ kann man in etwa mit „Seele“ übersetzen, „Khu“ mit „Astralkörper“. Das wußte ich damals noch nicht.

Nach dieser Nacht aus Piken in Eiern und After und bunten Lichtern, zerrte mich die T.S.S. das erstemal in meinem Leben zu einer Homöopathin: Gabriela Pimienta, genannt Gaby. Verwirrt wie nichts Gutes torkelte ich in die Praxis und plapperte in ihre offenen Ohren:

Meine Eier und mein Arschloch piksen und brennen, wenn ich abgespritzt habe, und ich hab Raumschiffe gesehen und Gestalten mit langen Schwertern und einen Totenkopfkürbis, und als ich Khabs gelesen hab, da hat es rot und grün auf dem Papier geblitzt.“

Die Homöopathin holte eines ihrer vielen Bücher aus dem Schrank und las mir vor: „Caps,- Capsikum; mexikanischer roter Pfeffer. Symptome: Brennende und stechende Schmerzen in Hoden und After nach Samenerguß.“

Die T.S.S. hielt mir einen Küchenmixer ins Gehirn.

Sie helfen mir mit Lichtblitzen!

Ein Wunder!

Sie retten meine Eier!

Danke! Danke!

Heilig! Heilig!

Nachdem ich Capsikum drei Wochen eingenommen hatte, wurde ich irre. Die Schmerzen waren nicht fortgegangen.

Für meinen nächsten Besuch in Gabys Praxis nahmen meine Hoden eine purpurrote Färbung an. Das Stechen zog in Rückgrat und Beine. Mein Herzschlag war der eines schlechten Reaggae-Songs. Ich war böse auf Gott.

Gabriela war von der Synchronizität „Khabs = Caps = Capsikum“ so fasziniert, daß sie mit diesem Mittel experimentierte. Begeistert erzählte sie von einem Fall, in dem sie sich todsicher gewesen sei, die richtige Medizin für ihren Patienten gefunden zu haben. Das Mittel schlug aber nicht an. Jetzt gab sie dem Kranken zusätzlich ein paar Tropfen Capsikum. Es funktionierte: Die von ihr ausgesuchte Medizin „schlug an“. Sie bezeichnete Capsikum als einen hervorragenden Verstärker.

Bei mir funktionierte Capsikum nicht.

Glaubte ich. Homöopathie hatte ich nicht verstanden. Daß es mir nach der Einnahme dieses Medikaments zunächst schlechter ging als zuvor, konnte durchaus bedeuten, daß es das richtige Mittel für mich war. Jene Medizin, die mir helfen sollte, einmal durch die Hölle zu meiner Seele zu gelangen.

Fiebrig überlegte ich: „Wenn Capsikum ein Verstärker ist, brauche ich dann einen Verstärker für den Verstärker? Vielleicht muß noch eine Medizin hinzugefügt werden?“ Ich fragte Gaby, ob es ein Mittel gäbe, das Tier heißt, weil doch nach dem „Buch des Gesetzes“ der erwählte Priester und Apostel des unendlichen Raumes das Tier ist.

„Ja, es gibt ein Mittel, das verbranntes Tier heißt. Ich glaube nicht, daß es dir helfen kann.“

Ich las mir alles, was in ihrem Buch über verbranntes Tier, Carbo Animalis, stand, durch. War sofort erschlagen von meiner Fähigkeit, überall Synchronizitäten zu finden: Tierkohle wird normalerweise gegen Verstopfung genommen. Das Buch sagte aber auch, Carbo Animalis helfe ebenfalls bei Krebs, chronischer Entzündung, purpurner Verfärbung und unregelmäßigem Herzschlag.

Ich kaufte es mir in der Apotheke. Nahm es einige Tage lang. Es linderte nicht im geringsten meinen Schmerz. Oh Gott, ich hatte solche Angst, mir fliegen die Eier weg.

Erinnern wir uns an die Wiedergeburt von Jesus, den Straßenmusikanten Robert, der seiner großen Liebe erzählte, sie sei eine Königin, und in naher Zukunft würden sie gemeinsam die Welt regieren.

Auch ich sollte bald so weit sein.

Gabriela Pimienta war ganz verzückt von mir. Sie lud Diana, Sabine und mich zu ihr nach Hause auf einen Kaffee ein. Sabine ist jenes Mädchen, das Diana und ich, bevor wir auf dem Heimweg die UFOs sahen, besucht hatten. Ohne Sabine wäre ich nie bei Gabriela gelandet. Sie war es, die mich zu ihr geschleppt hatte. Sie verehrte die Homöopathin wie eine heilige Meisterin. Glaubte ihr jedes Wort. Meinte, sie sei die einzige, die mir helfen könne.

Gaby offenbarte Diana und mir feierlich, daß ich gerade auf dem Weg der Einweihung in die großen Geheimnisse der Schöpfung sei. Dabei tat sie so, als hätte sie ihre schon hinter sich. Sie warnte, Diana müsse auf mich aufpassen und dafür sorgen, daß ich nicht vergesse, etwas zu essen. Ich hätte große Fähigkeiten in der Homöopathie. Die Mittel gegen Aids und Krebs könne ich finden. Vielleicht sogar die universale Medizin.

Die Meisterin hatte einen superfetten Freund, Jochen. Der schob einen UFO-Film. Hatte alle Bücher von Erich von Däniken gelesen und strebte danach, Kaiser von Deutschland zu werden. Gabriela sollte seine Kaiserin sein. Durch einen Putsch wollten sie an die Macht kommen. Dazu benötigten sie die Tarnkappe aus der Siegfriedsage. Leider gab es nur eine wage Vermutung, wo sich diese Tarnkappe in Süddeutschland befinden könnte. Auch grübelten sie darüber nach, wo die Bundeslade, das Heiligtum der Juden, versteckt gehalten wird. Die wollten sie an sich reißen, weil sie so wertvoll ist. Alles was mit Macht zusammen hängt, übte größte Anziehung auf den dicken Jochen und die auch nicht schlanke Gaby aus. Nun witterten sie in mir ein Medium, das ihnen helfen könnte, ihre Ziele zu verwirklichen. Daß mich starke Schmerzen quälten und ich mich ohnmächtig fühlte, hinderte sie nicht, an meine übersinnlichen Kräfte zu glauben.

Jochen grinste mich an und schleimte:

Einer muß ja Jesus gewesen sein. Einer muß ja damals diese ganzen Versprechen gemacht haben. Nun wollen wir mal sehen, ob er sie auch halten kann.“

Gaby schaute mich beschwörend an und nickte bedeutungsvoll. Sie behauptete, sie wäre meine Mutter Maria gewesen. Damals, vor 2000 Jahren.

Wenig später besuchten mich die beiden in Finkenwerder. Sie ermunterten mich, auf einer Landkarte durch kabbalisieren und intuitives erfassen die „Tarnkappe“ zu finden. Sollte auch nach der Bundeslade suchen. Außerdem lechzte Gaby danach, die reichste Frau der Welt zu werden, indem ich ihr die universale Medizin verrate. Wenigstens das Mittel gegen Aids.

Wenn einen die anderen für einen Gott halten, kann es schnell passieren, daß man sich selbst für einen hält. Aber was die beiden von mir verlangten, konnte ich nicht aus dem Ärmel schütteln. Ich versagte auf ganzer Linie. Sie blieben geduldig und glaubten weiter an meine Mission.

Manchmal plapperte Gabriela meine Gedanken nach. Sie tat dann so, als wäre sie selbst darauf gekommen. Eine 180-Grad-Wendung erhielt ihre Meinung vom außerirdischen Erbmaterial: Sie quasselte:

„Ja, wir sind die Götter, die von einem anderen Planeten auf die Erde kamen. Leider machten einige von uns den Fehler, mit Erdlingen Kinder zu zeugen.“ Ich entgegnete, das sei überhaupt kein Fehler gewesen, sondern Absicht. Vollkommen in Ordnung. Durch die Vermischung von außerirdischem mit urmenschlichem Blut ist der intelligente Mensch entstanden. Die UFO-Literaur ist vollgeknallt mit dieser Philosophie. Ich glaubte aber, das sei meine Idee und eine neue. Gabriela war hin und weg von meinen Worten. Sie behauptete fortan das Gegenteil ihrer vorherigen Ansicht. Ja, sie hätten die Erdlinge „genetisch überzeugt“. Manchmal würde sie mit Jochen zusammen durch die Stadt laufen und zu sich selber sagen:

„Die haben wir gut hinbekommen, die Menschen.“

Das waren die reichsten Verrückten, die mir je begegnet sind. Keine bekifften Straßenmusiker oder durchgeknallte Tramper ohne Geld. Gaby unterhielt eine gutgehende Praxis an der Alster. Jochen arbeitete gerade an der Fertigstellung eines Homöopatie-Computerprogramms, das man mittlerweile kaufen kann. Es ist nach Krankheitssymptomen und homöopathischen Medikamenten geordnet. Wenn man eine Krankheit eingibt, erscheinen alle Mittel, die dieser zugeordnet sind. Das ganze funktioniert auch umgekehrt.

Nicht im geringsten bezweifelte Gabriela, daß Außerirdische mit mir in Kontakt getreten sind. Für sie war es auch klar, daß ich die Reinkarnation Aleister Crowleys bin. Als sie mich besuchte, und ein Crowley-Photo an der Wand hängen sah, rief sie begeistert zu Jochen: „Guck mal, ist das nicht erstaunlich. Er hat die gleichen Augen. Claas hat sogar ähnliche Gesichtszüge wie in seinem vorherigen Leben.“

Alles was mir die Homöopathin erzähle, fraß sich tief in mein Gehirn. Sagte sie mir doch, was ich hören wollte. Bin ich nicht der Erschaffer meiner eigenen Welt? Sogar dafür verantwortlich, was mir andere Menschen erzählen und was ich mir davon merke?

„Hahaha“, lacht die T.S.S.. „Du glaubst nur hier selbst etwas zu erschaffen. Wir sind die Schöpfer deines Universums. Oder hast du vielleicht uns erschaffen?“

Bin ich verantwortlich für das, was die T.S.S. mir antut, weil ich Mitglied bin?

Konnte die Homöopathin etwas dafür, daß mich die T.S.S. zu ihr führte? Nur dann, wenn sie selbst Mitglied ist? Manchmal tat sie so, als wäre sie eins. Dann erklärte sie: „Wir sind Außerirdische unter den Erdlingen. Wir werden hier immer wiedergeboren. Jetzt erinnern wir uns langsam. Begegnen uns, um Informationen auszutauschen. Informationen, die wir für unseren Auftrag benötigen“

Ich war die Inkarnation von Crowley und Christus und hatte den Auftrag, erst die Medizin gegen Aids und dann die universale Medizin zu finden.

Es läßt sich nicht vermeiden, daß man dann bald zusammen mit seiner Königin die Erde regieren wird.

Wie aber wird man Militärdiktator, der schrecklichste, den es je gegeben hat? Ein entsetzlicher Diktator, der seinen Feinden vor Furcht die Gedärme schlottern läßt?

Auch das sollte für mich kein Problem sein.

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