Thelema, vom Verhalten und der Freiheit

Eine Reflektion über mein Verhalten und der Freiheit.

Es gibt in in der Transaktionsanalyse 4 Verhaltensformen:

ich bin ok, du bist ok
ich bin nicht ok, du bist nicht ok
ich bin nicht ok, du bist ok
ich bin ok, du bist nicht ok

Anhand dieser Aussage kann man überprüfen, wie man zu sich und seiner Umwelt steht. freiheitsoldatBei mir ist es: ich bin nicht ok, du bist ok. Eine typische Sklavenaussage, der perfekte Soldat…, er motzt nicht, ist immer brav, der andere wird ihn führen etc..

Dieses Verhalten muss von irgendwo herkommen, also durch Erziehung, Karma oder es gehört einfach zum Wesen dazu. Aber vor allem ist es auch eine Chance etwas zu lernen und zwar für die Entwicklung.

Der Grund für so ein Verhalten ist imho immer die Angst. Ich glaube, alles was einen blockiert hängt damit zusammen, dass man Angst vor x hat. Dieses x ist vermutlich, dass man keine Anerkennung bekommt. Die meisten Menschen wollen einfach nur bestätigt werden, dass sie alles richtig machen. (Das kann man sehr einfach herausfinden ob das auch stimmt. Stimme immer dem anderen zu, dass seine Weltsicht richtig ist und beobachte anschließend sein Verhalten dir gegenüber. Kann man natürlich auch umdrehen, die Folgen sind dann meist ein Naja… 🙂 )Somit wird ihr Weltbild anerkannt. Ich will nur kurz erwähnen, dass die Anerkennung mit dem Tod, der eigentlichen Angst, zusammenhängt. Wenn ein/e Weltbild/Verhaltensweise nicht anerkannt wird, dann ist es wie ein Sterben. Das Verhalten y hat einen schließlich dazu gebracht zu überleben und das kann keiner (erstmal) ernsthaft abstreiten. Wird dieses Verhalten aber dann kritisiert, wird der, den man kritisierte, in der Regel dafür kämpfen, dass sein Verhalten doch richtig sei. Dabei wird ihm nicht klar, dass er nur deswegen kämpft, weil er befürchtet, wenn er sein Verhalten ablegt, er sterben muss. Dem anderen, also welcher kritisiert hat, ist nicht klar, dass er eben etwas kritisierte, was das Überleben bisher gesichert hat.

Durch mein ich bin nicht ok, du bist ok rufe ich natürlich bestimmte Konsequenzen hervor. So mache ich y nicht, weil ich ja versagen könnte, also keine Anerkennung bekomme und lasse es schleifen. Das gilt übrigens nicht für den Blog hier oder meinem Videokanal, also meiner Philosophie bzgl Thelema, denn da geht es mir nicht um Anerkennung. Bei mir sind es eher alltägliche und weltliche Dinge. Menschen mit denen ich es zu tun habe, die einen gewissen Status haben, also nach meinem Verhalten, über mir stehen. Wie Eltern oder Staat. Da bin ich gerade dran zu arbeiten, um das so zu integrieren, dass ich es rausholen kann wenn ich es will und mich nicht wie ein Roboter verhalte, der nur diese eine Verhaltensweise kennt. Ziel ist, dass ich damit (noch) selbstbewusster, souveräner und tatkräftiger werde, letztendlich geht es aber um die Freiheit.

Freiheit definiere ich unter anderem so, dass ich erst dann frei bin, wenn ich in einer Situation mind. 3 Verhaltensformen zur Auswahl habe. Beispiel wäre: ich gehe in eine Kneipe und vor mir steht ein Typ der mich schlagen will. Frei bin ich, wenn ich eine Auswahl habe, wie will ich mich verhalten:

davon rennen,
kämpfen,
ihn zu einem Bier einladen,
ihn provozieren oder
ihn ignorieren.

Wenn ich in „Ruhe“ mir überlege welches Verhalten das sinnvollste ist, was es mir bringt und ihm ggf. was bringen könnte, dann erst bin ich frei, egal ob ich danach Tod bin oder im Knast lande, weil ich ihn getötet habe. freiheithandÜbrigens ist diese Definition der Freiheit auch der Grund warum ich ich nicht mehr für irgendein bestimmtes politisches System einsetze. Abgesehen davon, dass jegliches System immer eine positive und negative Seite hat und niemals alle Menschen zufrieden stellen kann, außer „tu was du willst“ ist es auch ein Gefängnis, wenn man sich nur für ein System einsetzt und alle andere Systeme schlecht redet. Das Ziel ist eher, wie komme ich am besten in einer Diktatur (als Beispiel) so klar, dass ich frei bin? Auch da habe ich natürlich mehrere Möglichkeiten:

Ich kann fliehen,
ich gehe in den Untergrund und kämpfe gegen das System,
ich bin für das System,
ich kümmere mich um was anderes und lasse das System links liegen.

Wenn ich mein Verhalten auswähle „was will ich tun“ hängt das natürlich auch mit meinem Thelema zusammen bzw meinem Ziel wo will ich hin. Wo habe ich Defizite, was interessiert mich, wo kann ich am besten was lernen, was beengt mich und will ausgeglichen werden. Und es hängt natürlich auch mit Agape zusammen, denn Vereinigung (in dem Fall mit verschiedenen Verhaltensweisen) ist Liebe.

LLL, Nuit, 29

Denn ich bin geteilt um der Liebe willen, für die Möglichkeit der Vereinigung

Um überhaupt verschiedene Verhaltensweisen auf Lager zu haben, bedarf es der Erfahrung. So ist es meiner Ansicht nach richtig, wenn man in verschiedenen Bereichen seine Erfahrungen macht oder auch Länder besucht und deren Kultur kennen lernt. In der Summe heißt das:

Erweitere dein  Horizont durch Menschen, die dir oder deiner Kultur nicht ähnlich sind.

Denn am Ende gelangst du an einem Punkt, dass du durch deine Erfahrungen immer leichter Zugang findest zu anderen Menschen und es es dir somit leichter fällt, diese kennen zu lernen und auch ihre Verhaltensweisen und Kulturen zu respektieren. Aber das ist nur eine typische Nebenwirkung, denn es geht erstmal nur darum, sich kennen zu lernen und frei zu sein!

Die große Fessel aller Fesseln ist Unwissenheit. Wie soll ein Mensch frei handeln können, wenn er nicht seine eigene Bestimmung kennt? Zu allererst musst du daher herausfinden, welcher Stern von allen Sternen du bist, deine Beziehung zu den anderen Sternen um dich herum, deine Beziehung zum Ganzen und deine Identität mit ihm. (Aleister Crowley, ÜBER DIE FREIHEIT)

 


Die Stechfliege initiierte diesen Blog.

Autorenseite: Die Stechfliege

3 Kommentare zu „Thelema, vom Verhalten und der Freiheit

  1. Wesentliches Teilstück des Mail-Inhaltes:
    Mit Manager Trainings Methoden ala Transaktion Anal … und Eric Berne (Spiele der Erwachsenen) kann der Künstler gar nix am Hut haben. Über Generationen hinweg werden Konditionierung auf allen diesen dualen Basen, wie, … richtig -falsch, ok-nicht ok, suchen-finden … und so weiter … weiter gegeben. Jedes fremde System, schafft Abhängigkeit durch Angst und der Institution von Gier, allein A_narchie ermöglicht die Befreiung von der Angst (überhaupt) z.B. falsch oder richtig zu sein. Ego, ist und wird mit Angst und Gier aufrecht erhalten. Ego ist Enge, und sollte nicht der scheinbare Chef sein, der ja selber immer auch Sklave ist, sondern der Diener des Selbst.

    Tu was du willst, sollte eben nicht mit der Idee des Egos identifiziert werden. Erst wenn das Ego von all diesen dualen Konzepten des-identifiziert ist, ist jenes was bleibt, der göttliche Wille (des Selbst, die wirkliche Ganzheit, der wahre Wille) Forsche nach, nach was du dich wirklich tief innen sehnst, hast du es, dann hast du es! Lebe es, ohne Ja oder und Nein eines Anderen! Es kann niemals ein Etwas, ein Ding sein, nichts, was sich von der Lebenskraft nährt, die zu deinem wirklichen Wesen gehört. Ein Verrückter, der sagt, er sei verrückt, ist es nicht. Das gilt auch für den „Sklaven“ 😉

    Gibt das Bewusstsein eine strukturelle Identifikation auf, stirbt es für diese Struktur, auf der es sich befand. Es akzeptiert so das Sterben – den Thanotos jener Ebene. So ent-identifiziert es sich von dieser Struktur, und durch das Sterben transzendiert es diese Stufe. Sobald das Verlangen nach einem Ersatz, nämlich der Eros von Thanatos überwunden wird – akzeptiert der Mensch den „Tod“ jener Stufe, löst seine Identifikation mit ihr auf – wodurch jene vorherige, niedere Stufe transzendiert wird. Wenn wir uns mit KEINER Struktur mehr identifizieren, bleibt nur noch das Grenzenlose, wenn wir alle Tode gestorben sind, bleibt nur noch die Gottheit.

    Grüße

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