Willkommen in meinem Kopf, Jeder Mann hat einen Zauberstab (v. Claas Hoffmann)

Jeder Mann hat einen Zauberstab

Als 20-jähriger trampte ich zum dritten Mal zu den „Cloudiniers“. Das zweite Mal war eine große Enttäuschung. Entweder hatte ich mich total verändert, oder der Alkohol Lehels Gehirn zersetzt. Er erinnerte sich nicht an mich. Zwar wohnte er noch da, hatte die „Farm“ aber verpachtet. Das Hauptgebäude war nun ein Austellungsraum für Töpfer, Bildhauer und Maler. Neben dem großen Kanister Rotwein stand eine Preistafel. Wer auf der Farm übernachten und frühstücken wollte, mußte umgerechnet 15,- DM bezahlen. Ich hatte keinen Pfennig. Wollte so gerne, wie Lehel es versprochen hatte, dort wohnen und für ihn arbeiten.

Man hatte kein Erbarmen.

Bei meiner dritten Reise hatte ich 500 Mark in der Tasche. Ich nahm mir vor, jeden Tag 15 Mark zu zahlen und solange zu bleiben, bis das Geld alle war. Von der Erinnerung, wie glücklich ich in den Tagen meines ersten Besuches gewesen bin, kam ich nicht los.

Ich beschloß, über Freiburg zu trampen, um einen Freund, Tomm Graf von Weichenfeld zu besuchen. Die Strecke schaffte ich an einem Tag.

Tomm kannte ich aus der Hamburger Schwulendisco „Front“. Eines Abends hatte er mich in ein Billighotel abgeschleppt. Auf eine unbegreifliche Art und Weise romantisch. Ins „Front“ wurde ich durch verschiedene Umstände getrieben:

Zunächst einmal mußte ich begreifen, daß ich bisexuell empfand und diese Gefühle ausleben wollte. Der Moment, in dem ich diese Einsicht zulassen konnte, bestand aus einer Überdosis Nachtschattengewächse. Jene Mischung, die ich Jesus-Robert zu rauchen gegeben hatte, bevor er den Verstand verlor.

Mit Selbsterkenntnis im Schwanz trampte ich dann zusammen mit Marga und unserem Hund Ghandy nach Holland. Dort entjungferte mich Lood in seinem Hochbett, während Marga auf dem Fußboden saß und weinte.

Bevor ich aber so schwul wurde, daß ich mit einem Minirock bekleidet ins „Front“ spazierte, um vom Graf von Weichenfeld zu lernen, was Romantik bedeutet, mußten meinen Eiern scheußliche Dinge passieren. Eine chronische Nebenhodenentzündung mußte ich mir holen. Die war chronisch geworden, weil ich nacheinander an drei unfähige Urologen, sowie einen Sexualprofessor geraten war. Alle erzählten sie mir, ich sei körperlich gesund und meine Schmerzen psychisch.

Wenn es einen psychischen Grund für meine Schmerzen gegeben hätte, dann wäre dieser vielleicht, (wie bei allen ordentlichen Psychopathen) bei meiner Mutter zu suchen gewesen. Sie war es dann auch, die mir durch eine befreundete Ärztin einen Termin bei Prof. Dr. Schulz im sexualmedizinischen Forschungszentrum der Uniklinik Eppendorf in Hamburg besorgte.

Ich berichtete dem Prof. Dr. von meinem Schmerz, und davon, was die anderen Urologen erzählt hatten, während er genüßlich an seiner Pfeife zog. Nachdem ich sieben Minuten geredet hatte, stellte er mit einem schwer zu deutenden Lächeln fest: „Sie sind homosexuell. Verstecken Sie das nicht. Ihr Schmerz ist rein psychosomatisch. Zeigen sie den anderen Menschen ihre Homosexualität und leben sie sie aus.“

Nie war ich der mutigste Mensch der Welt, aber mein Schmerz befähigte mich nun zu wundersamen Schritten: Geschminkt und im Minirock tanzte ich in der „Mülltonne“, wo mich alle nur als Weiberheld und Herzensbrecher kannten. Ich lief mit meinem Röckchen, (selbstgenäht aus abgeschnittenen Jeans), einer schwarzweiß gestreiften Strumpfhose, roten Sommerschuhen, rotgefärbten langen Haaren, gut rasiert und mit blaugeschminkten Augen durch Horneburg, einem echten Dorf; auch durch die Kleinstädte Buxtehude und Stade. Ich trampte so zurechtgemacht nach Hamburg oder fuhr mit der Bahn. Seltsamerweise fürchtete ich nicht, tierisch auf die Fresse zu bekommen. Vielleicht, weil ich so oft vom „Kinosymptom“ befallen war: Dem Gefühl, nicht wirklich an jenem Ort zu sein, den man gerade sieht oder hört, oder unter seinen Füßen spürt.

Auf meiner dritten Reise zu den Claudiniers hatte ich zwar eine Hose an, glaubte aber immer noch, daß ich unbedingt gefickt werden müßte, um keine Schmerzen in meinem linken Hoden zu haben. Ich wohnte damals, zu meiner größten Frustration, wieder bei meinen Eltern, in einer zum Partykeller umgebauten Garage.

Am Morgen, als ich gerade meine Sachen gepackt hatte und aufbrechen wollte, besuchte mich Ines Brand. Sie war heroinabhänging und erzeugte überall Brandlöcher. Andauernd fielen ihr die Zigaretten aus der Hand. Das paßte gut zu ihrem Namen. Sie kam zusammen mit einem Türken, der unbedingt mit ihr schlafen wollte. Als sie mich als ihren Freund verkaufte, ging er schwer geknickt wieder fort. Ines war todmüde. Ich sagte ihr, sie könne gerne auf meiner Matratze pennen, (wo sie ein weiteres Brandloch hinterließ) aber ich wolle bald los nach Südfrankreich trampen. Sie gab eine fette „Line“ Heroin aus. Nur jedes zweite Mal spritzte sie sich das Zeug. Sonst hat sie es sich immer durch die Nase gezogen. Mir wurde nie übel vom Heroin. Alle die ich kennengelernt habe, mußten nach einer Nase kotzen. Als Ines einige Monate später starb, ließ ich für immer die Finger davon. Wir rauchten noch einen Joint zusammen; dann gab ich ihr einen Kuß und sagte „mach’s gut“.

Mein jüngerer Bruder war so lieb, mich zur nächsten Autobahnraststätte zu bringen. Auf der Fahrt in seinem Auto zitterte ich am ganzen Körper. Ich erklärte ihm, das sei Yoga- und Tantraenergie, die mich durchfließe. So habe ich es auch tatsächlich empfunden.

Auf der Raststätte kaufte ich zwei „Holsten“, schüttete das Bier in mich rein und hielt den Daumen in die Sonne.

Der erste Mensch, der mich mitnahm, hatte in seinem offenen Handschuhfach lauter Schwulenpornos liegen. Ich blätterte darin rum. Er hielt an der nächsten Raststätte und fickte mich im Auto.

Ich glaubte, daß wenn man angesoffen und breit von Hasch und Heroin mit einem fremden Mann im Auto fickt, man bald einen Heiligenschein bekommen würde. Außerdem hielt ich es für die einzige Medizin gegen meinen Schmerz.

Als ich nach dem Fick meine Zigaretten suchte, merkte ich, daß mir eine Tragetasche fehlte, die ich außer meinem Rucksack bei mir hatte. Ich trampte zurück zur letzten Raststätte und fand tatsächlich meine Tasche am Straßenrand. Alles war noch drin, außer meinem Tarotkartenspiel.

Für meine Reise hatte ich Zuhause den „Fehlschlag“, die „Ausschweifung“ und die „Enttäuschung“ gezogen. Aber das wollte ich nicht wahrhaben. Ich sagte mir: „Die Karten zieh ich jetzt nur, weil ich daran zweifle, ob ich losfahren soll oder nicht.“

Mitten in der Nacht kam ich in Freiburg an. Ich blieb drei Tage bei Tomm, der mich von ganzem Herzen liebte.

Von dort aus nahm mich dann ein grauhaariger Kettenraucher in einem Porsche mit, der mir erzählte, er könne durch seine geistigen Kräfte Krebs heilen und sei Mitbegründer der „Partei des neuen Bewußtseins“. Er setzte mich an der französischen Grenze in dem Ort, der „Weil“ heißt, ab.

Der nächste, der mich mitnahm war ein fetter Lastwagenfahrer, der wollte, daß ich ihm einen blase. Ich tat das natürlich. Es war ja schließlich gut für mein linkes Ei.

Nach einer scheußlichen, verregneten Nacht auf einem Parkplatzgrünstreifen, brauchte ich noch drei Autos, um zur „Farm“ zu gelangen. Auf jedes Auto mußte ich fünf Stunden warten.

Vollkommen fertig kam ich bei den Cloudiniers an, hatte Blasen an den Füßen, war todmüde und hatte unterwegs geheult.

Die „Farm“ war nicht mehr an Künstler, sondern an einige Privatleute vermietet. Ich konnte nicht für 15,- DM am Tag dort schlafen und frühstücken und sah derart durchgeknallt aus, daß man mir schon nach zehn Minuten zu verstehen gab, ich könne, sollte, dürfe nicht länger dort bleiben.

Als ich nun Richtung Paris trampte, hatte ich Halluzinationen vor Verzweiflung und Müdigkeit. Die Lichter der Autos, die auf mich zukamen, sahen aus wie Totenköpfe.

Im vierten Auto, das mich mitnahm, saß ein Tramperhasser erster Güte. Er warf mich auf der Autobahn heraus. An einer Stelle, an der es kaum einen Seitenstreifen gibt. Die Autobahn verläuft direkt an einem durch Beton begradigten Berghang. Weinend und fluchend stolperte ich diese schreckliche Straße entlang. Rechts von mir die riesige Betonwand, links von mir laut hupende Lastwagen oder rasende Franzosen. Mir taten die Füße so weh. Ich mußte kacken.

Endlich erreichte ich eine Raststätte. Was für eine Erleichterung!

Der Mann, der mich von dort aus mitnahm, faßte mir sofort, nachdem ich eingestiegen war, an den Arsch, holte seinen Schwanz raus und begann bei voller Fahrt zu onanieren. Ich half ihm so gut ich konnte, schließlich war das gut für mein Ei.

Die freundlichsten Menschen auf dieser Reise traf ich in Paris. Man hatte mich bis ins Zentrum mitgenommen, und mir geraten, mit der Metro bis zur nächsten Autobahnausfahrt zu fahren. Von dort aus hätte ich die beste Chance weiterzukommen. Ich schleppte mich in eine Metrostation und stieg in die nächste Bahn. Hier fragte ich einen jungen Mann und eine junge Frau, wo ich am besten aussteigen sollte, um nach Deutschland trampen zu können. Draußen war es schon dunkel. Obwohl ich stank wie die Pest und aussah wie ein Tier, fragten mich die beiden, ob ich mich nicht erst einmal ausruhen, und morgen weiterreisen wolle. Sie wüßten einen Schlafplatz für mich. Der junge Mann hatte kurze dunkle Haare und lachte viel. Er nahm mich mit in die Wohnung seiner Eltern, wo gerade eine heiße Badewanne eingelassen war. Ursprünglich für seine Schwester, aber man schickte mich sofort hinein. Das tat wirklich unendlich gut! Als mein Wohltäter seinen Eltern erzählte, daß er mich gar nicht richtig kannte, waren sie dagegen, mich dort schlafen zu lassen. So nahm er mich mit zu ein paar Freunden, wo es ein kleines Zimmer mit einem Bett für mich gab. Die junge Frau aus der Metro kam zu Besuch. Wir saßen zu fünft bis spät in die Nacht zusammen, philosophierten über Außerirdische, lachten, rauchten eine Menge Gras und tranken eine Flasche Gin.

Am folgenden Abend war ich zurück in Horneburg.

Was für eine Reise zur dunklen Seite des Universums!

So viele notgeile Homos, die ausgerechnet mich mitnehmen mußten!

Der erste, als ich nach Freiburg trampte. Der zweite, als ich von Freiburg zu den Cloudiniers fuhr. Der dritte, auf meinem Weg von dort nach Paris. Drei geile Homos an drei Tagen, unterbrochen von den drei Nächten, die ich mit Tomm in Freiburg verbrachte.

1000 Mal bin ich zuvor getrampt. Nur ein einziges Mal hatte mich ein Autofahrer angebaggert, sehr gelassen und ruhig. Als er mich fragte, ob ich Lust auf Sex mit Männern hätte, und ich ihm erklärte, daß ich ganz normal bisexuell sei, fragte er nur, ob ich Durst hätte. Als ich „Nein, danke“ sagte, redete er nicht weiter über Sex und setzte mich freundlich dort ab, wo ich wollte.

Wie sollte ich glauben, daß diese Serie von schwulen Autofahrern „Zufall“ gewesen sei? Das konnte ich nicht. Konnte auch nicht glauben, daß mein Unterbewußtsein soetwas hätte erzeugen können.

Das hatte die T.S.S. organisiert!

Die hatte auch dafür gesorgt, daß mir Prof. Dr. Schulz erzählte, Sex mit Männern sei die einzige Medizin gegen meinen Schmerz.

Es tat immer noch weh.

Nicht mehr, und nicht weniger.

Die drei Autofahrer und mein lieber Freund in Freiburg mußten für den Spaß, den sie mit mir hatten, mit Leid und Weh bezahlen. Es sei denn, ihr Immunsystem funktionierte ausgezeichnet. Das waren keine psychosomatischen Schmerzen! In Wahrheit war ich die Inkarnation der Pest!

Erstens hatte ich eine Geschlechtskrankheit, die brannte. Irgendwelche Bakterien in meinem Schwanz waren dafür verantwortlich. Zweitens hatte ich einen Hefepilz und drittens die Krätze. Alles auf einmal! Aber, das wußte ich nicht. Wie schrecklich vernebelt bin ich gewesen, daß ich so verseucht durch die Gegend laufen konnte, aber den Ärzten glaubte, ich sei körperlich gesund und hätte nur einen Vogel!

Dr. Chambertin, der schlechteste Urologe der Welt, war der erste Arzt, der mich betrog. Zweimal wichste ich für ihn in einen Plastikbecher. Zweimal machte er einen schmerzhaften Abstrich, wobei er mir einen Stab in den Penis schob. Das erstemal sagte er mir zehn Minuten nach dieser Prozedur, alles sei vollkommen in Ordnung. Als ich zwei Wochen später wieder zu ihm ging, und ihm sagte, unmöglich sei alles vollkommen in Ordnung, bekam er erneut eine Spermaprobe und machte einen Abstrich. Diesmal erzählte er mir erst am nächsten Tag, es seien keine Krankheitserreger zu finden. Die Symptome kämen wohl aus meinem Kopf.

Nun ging ich zum Urologen Dr. Dorn in Hamburg. Er hatte bei Diana einen Hefepilz gefunden. Ich erzählte ihm, daß ich mit Diana geschlafen hatte, meine Eier wehtaten und ich gewiß das gleiche hätte wie sie. Er sagte: „Hosen runter!“, faßte meine Eier an, schaute mir in die Augen und fragte: „Nehmen sie Drogen?“ „Ja, manchmal.“ „Ziehen sie sich wieder an. Das ist psychisch.“

Eine Woche später bekam ich eine Postkarte mit der Mahnung, ich solle schleunigst den Krankenschein abgeben.

Wenige Tage später ging ich zusammen mit Diana in ein pakistanisches Restaurant in Hamburg essen. Als ich aufstand, hatte ich solche Schmerzen und war so bleich, daß mich Diana an die Hand nahm und mit mir ins Krankenhaus fuhr. Der Urologe dort war super genervt, faßte meine Eier an und sagte: „Wovor haben sie denn Angst? Vor Krebs? Da ist nichts. Das müssen wohl vernarbte Nervenenden sein. So etwas müßte man auf dem Röntgenbild sehen. Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Auf Wiedersehen.“

Nun ging ich wieder zu Dr. Chambertin, der wirklich keinen Bock mehr auf mich hatte. Er röntgte meinen Bauchraum und meine Eier und sprach:

„Alles ist vollkommen in Ordnung.“

Ich hatte also einen Vogel. Die Ärzte waren sich da sicher. Diese Ärzte waren die sadistischsten Arschlöcher, die mir je begegnet sind. Auch Prof. Dr. Schulz war nur halb so erleuchtet, wie er tat. Schließlich kam ich zu ihm mit Bakterien und Pilzen, und er erzählte mir, die Schmerzen kämen nur aus meinem Kopf. Die Krätze hatte ich allerdings damals noch nicht. Die holte ich mir später von einem Mädchen, das ich in der „Mülltonne“ kennenlernte. Hier hätte der Prof. Dr. natürlich sagen können: „Siehst du? Sex mit Mädchen ist nicht gut für dich!“

An jenem Abend war ich artig auf der Suche nach einem Schwanz. Aber da war kein Mann, der mit mir schlafen wollte. Das Krätze-Mädchen sagte mir, ihr Name sei Andrice Gustar. Sie suchte einen Schlafplatz. Ich nahm sie mit in den Partykeller zu meinen Eltern.

Meine Mutter war ganz verzückt von ihr. Meine Oma auch. Andrice hatte, als sie aufgestanden war, das große Fenster, das seit dem Umbau das Garagentor ersetzt, geputzt; das ganze Zimmer gestaubsaugt und überall gewischt. Was für ein goldiges Mädchen! „An die halt dich mal!“ Eigentlich war sie ganz hübsch, außer, daß ihr ein Vorderzahn fehlte und sie ein paar rote Punkte auf dem Arsch und ihren Oberschenkeln hatte.

Sie erzählte mir, das käme von einer Milchprodukte-Allergie. Als ich sah, wie sie einen Yoghurt aß und sie daran erinnerte, stöhnte sie: „Ach Gott, manchmal kann ich mich einfach nicht beherrschen!“

Ein wenig später mußte ich und ging ins Bad. Sie hatte vergessen abzuschließen, saß auf dem Pott und hatte eine Flasche Jakutin in der Hand. Die hatte sie im Badezimmerschrank gefunden. Jakutin hilft gegen Filz- und Kopfläuse, Milben und all so’n ekliges Zeugs. Sie schmierte sich die Beine damit ein. „Was machst du denn?“ „Ach, meine Milchprodukte-Allergie juckt so doll. Weil ich Yoghurt gegessen habe. Das Jakutin hilft zwar nicht gegen die Allergie, aber gegen das Jucken.“

Abends klingelten ein junger, langhaariger Mann und zwei Frauen bei mir, die ich nicht kannte. „Ist Andrice bei dir?“ „Ja.“ „Psst, sag nicht, daß wir da sind, führ uns einfach zu ihr. Es ist alles in Ordnung.“ Wir gingen in den Partykeller. Als Andrice die drei sah, begann sie zu zittern und zu schluchzen: „Ich kann nichts dafür! Ich bin spielsüchtig! Oh es tut mir leid!“ Sie hatte dem jungen Mann 1000 Mark gestohlen und den Frauen diverse Klamotten.

Der Langhaarige hatte ein enorm großes Herz. Er sagte, sie könne bei einen Freund, der Hilfe braucht, das Geld abarbeiten. Die beiden Frauen beschimpften sie.

Am darauffolgenden Tag fuhren meine Mutter, die die saubere Andrice so in ihr Herz geschlossen hatte, ich, der bestohlene Mann und das verlogene Biest gemeinsam dorthin, wo sie das Geld verdienen sollte. Auf einem Bauernhof in Buchholz. Da lebte ein 50 Jahre alter bärtiger Mann mit einer widerlichen Warze auf seiner langen Nase. Außerdem ein „Knecht“, der auf dem Hof half, ein kleines verstörtes Mädchen und eine bestialisch nach Pisse stinkende Oma, die kaum sehen und hören konnte. Sie kommandierte laut schreiend ihren Sohn, den Warzenmann, herum, der kuschte, weil er den Hof erben wollte. Er schien ein großes Herz für Psychopathen zu haben, denn er glaubte, meine Mutter wäre meine Ehefrau.

Andrice sollte sich um seine Mutter kümmern. Sie blieb, und wir anderen fuhren zurück.

Ich wußte nicht, was ich Andrice noch glauben sollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie immer nur log. Sie hatte mir erzählt, sie würde Saxophon spielen, und wir könnten zusammen Musik machen. Ihre Mutter sei Heilpraktikerin und könne mir bestimmt helfen, keine Schmerzen mehr zu haben. Die hätte aus Indien ein Tarotspiel mitgebracht, in dem es viermal so viele Karten gäbe, wie in den bekannten Kartensätzen. Dieses Spiel wollte sie sich bald von ihrer Mutter ausborgen und mir zeigen.

Abends kam sie mit dem Zug aus Buchholz zurück und schlief bei mir. Romantisch fickte ich ihr den Arsch.

Am nächsten Vormittag begleitete ich sie zum Bahnhof. Sie wollte wieder zur Arbeit fahren. Wir küßten uns. „Bis nachher!“

Sie kam nie wieder.

Mittags bemerkte meine Mutter, daß die Schecks und das Bargeld aus ihrer Handtasche fehlten. Mein Bruder hatte keinen Walkman mehr. Wir riefen die Polizei. Die Beamten konnten das Mädchen schnell identifizieren. Sie hieß nicht Andrice Gustar, sondern Susanne Rüger. Seit einiger Zeit gesucht wegen Diebstahls und Betrug.

Nie wieder habe ich etwas von ihr gehört.

Als ich in Südfrankreich mit einem brennenden Schwanz und pikenden Eiern an der Straße stand, dachte ich, jetzt muß ich aber schnell wieder gefickt werden, damit meine psychosomatischen Schmerzen weggehen.

Als mein Arsch und meine Beine anfingen zu jucken, und überall diese kleinen roten Punkte auftauchten, glaubte ich, auch das sei psychosomatisch.

Ich bin eben fertig mit den Nerven. Dann juckt´s nun mal überall.“

Daß man die Ursache meiner Schmerzen auch unter einem Mikroskop erkennen konnte, wollte mir die T.S.S. erst nach meinem Frankreichtrip offenbaren:

Nach Hause zurückgekehrt, schlief ich mit der süßen Dunja. Obwohl ich das ja besser nicht sollte, wie mir der Prof. Dr. erklärt hatte. Als ihr bald darauf die Muschi juckte und sie auch rote Punkte auf ihren Beinen bekam, gingen wir zusammen zu einem Urologen in Buxtehude. Wie der uns dann erleuchtete, will ich gleich erzählen. Möchte aber zunächst eine Geschichte einfügen, die berichtet, was mich mit Dunja verbindet:

 

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