Die Botschaft der Thelema Society

Zuerst 2003 auf der Webseite der FCA veröffentlicht.

Das Wort des Gesetzes ist Thelema

von MDE, Therion der Thelema Society (2003)

Lernen heißt:
das Tun und Lassen zu dem in die Entsprechung bringen,
was sich jeweils an wesenhaftem uns zuspricht „.
Heidegger, Was heißt Denken?, p. 49.

 

In das Wort schauen …

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Michael D. Eschner

Das Liber AL verwendet für „Wille“ das altgriechische Wort „Thelema“ – das ist richtig und falsch zugleich. Die alten Griechen bis hin zu Platon und Aristoteles kannten weder den Begriff des Willens, noch Begriffe für Bewußtsein und Selbstbewußtsein.

Der Wille, so wie wir ihn heute verstehen, wurde von dem Apostel Paulus erfunden. Für die Antike war die Zeit zyklisch, alles wiederholte sich immer wieder. Das war für den christlichen Glauben inakzeptabel, weil das Heilsgeschehen, der Sohn Gottes inkarniert auf Erden, stirbt für die Sünden der Menschen und fährt in den Himmel auf, einmalig sein mußte. Aus der zyklischen Zeit mußte deshalb ein lineare Zeit, gipfelnd im Reich Gottes, werden – und die Menschen bestimmten durch ihr eigenes Verhalten wie sie beim Jüngsten Gericht gerichtet werden. Damit waren die Menschen dann auch nicht mehr einem Schicksal oder Geschick unterworfen, sondern mußten ihr Leben gestalten, d.h. einen Willen haben.

Als Vorläufer unseres heutigen Willensbegriffs wird von der Altphilologie (Wissenschaft der alten Sprachen) das griechische „boule“ angesehen, nicht etwa „thelo“ oder „Thelema“.

Bei der Übersetzung des griechischen Alten Testaments, der Septuaginta, ins Lateinische wurden „Boule“ und „Thelema“ mit „Voluntas“ (Wille) übersetzt. Dadurch ging die andere und unterschiedliche Bedeutung beider Begriffe verloren.

Der Begriff „Boule“ bedeutete ursprünglich Planung, Absicht, Zweck und lag damit unserem heutigen Willensbegriff sehr nahe.

Thelema“ kommt von dem Verb „thelo“, welches bei Homer die Bedeutung von bereit sein, belieben, geneigt sein, wünschen, entscheiden und begehren, auch im geschlechtlichen Sinn, hat. Bei Aristoteles bezeichnet „Thelema“ das von innen heraus kommende  Begehren, auch das geschlechtliche Begehren, allerdings ohne moralische Komponente.

Im Neuen Testament bedeutet Thelema zwar „Wille“, aber dieser Wille ist der Heilswille, der Schöpfungswille Gottes, der Wille der mit der Tora und dem Nomos, also mit dem Gesetz, identifiziert wird: der richtige oder wahre Wille, eben der Wille in dem sich das Gesetz äußert. Eine Nebenkomponente des geschlechtlichen Begehrens bleibt immer noch erhalten, denn wie das Geschlechtsbegehren ist auch der „Wahre Wille“ etwas, das aus dem Innern kommt und nicht der freien Verfügbarkeit des Menschen unterliegt.

Unterscheiden wir also:

  • Boule: Der auf einen Zweck gerichtete Wille geplanter Handlungen.
  • Thelema: Der Drang zum Tun von innen heraus, aus dem Innersten heraus, ohne Zweck und Plan – wie das AL sagt: „unbeflleckt von Zweck“. Allgemein könnte man es Sinn nennen, der „vorherbestimmte Heilswille“, das Gesetz der Selbstwerdung aus dem innersten Begehren heraus.

Dieser Willensbegriff ist also von dem modernen Willensbegriff, der auf das Verwirklichen von Zwecken abzielt, scharf zu unterscheiden. „Thelema“ ist Wille als der Drang, der Trieb und das Begehren, das Gesetz zu verwirklichen. Dabei geht es nicht mehr, wie im Christentum, um das von einem Gott erlassene Gesetz dem wir uns zu unterwerfen hätten, sondern um das innere Gesetz, welches uns Menschen, die wir alle Sterne sind, als Sternen gemeinsam ist.

Thelema ist das vom Kopf auf die Füße gestellte Christentum!

Überfließen …

Wenn von Trieb, Drang und Begehren die Rede ist denkt man heute eher an negatives, an unvernünftiges und tierisches, an psychologische Triebe in den Konzepten der freudschen Psychoanalyse.  Das ist hier nicht gemeint. Der Drang aus dem Innern ist ein Überfließen kreativer Fülle. Nietzsche hat das im Zarathustra eindringlich beschrieben – Hervorhebungen von mir:

Als Zarathustra dreissig Jahr alt war, verliess er seine Heimat und den See seiner Heimat und gieng in das Gebirge. Hier genoss er seines Geistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahr nicht müde. Endlich aber verwandelte sich sein Herz, – und eines Morgens stand er mit der Morgenröthe auf, trat vor die Sonne hin und sprach zu ihr also:

„Du grosses Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!

Zehn Jahre kamst du hier herauf zu meiner Höhle: du würdest deines Lichtes und dieses Weges satt geworden sein, ohne mich, meinen Adler und meine Schlange.

Aber wir warteten deiner an jedem Morgen, nahmen dir deinen Überfluss ab und segneten dich dafür.

Siehe! Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, die des Honigs zu viel gesammelt hat, ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.

Ich möchte verschenken und austheilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Thorheit und die Armen einmal ihres Reichthums froh geworden sind.

Dazu muss ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends thust, wenn du hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, du überreiches Gestirn!

Ich muss, gleich dir, untergehen, wie die Menschen es nennen, zu denen ich hinab will.

So segne mich denn, du ruhiges Auge, das ohne Neid auch ein allzugrosses Glück sehen kann!

Segne den Becher, welcher überfliessen will, dass das Wasser golden aus ihm fliesse und überallhin den Abglanz deiner Wonne trage!

Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra will wieder Mensch werden.“

– Also begann Zarathustra’s Untergang.

Es geht hier also nicht um einen Beherrschungs- oder Verwirklichungswillen der vom Zweck her zu denken ist, sondern um die kreative Fülle des Inneren die überfließt und sich dadurch drängend ausdrückt. Der „Wille zur Macht“ ist ein Schenken aus der Überfülle heraus. Genauso wie eine Tasse die, wenn sie überfließt, nicht leerer wird, so wird durch dieses Schenken nichts verloren. Das ist reine Liebe – sie gibt, denn sie kann aus ihrer inneren Fülle heraus nicht anders – dennoch verliert sie nichts!

Diese Liebe kann keine Ansprüche an den Anderen stellen, denn sie ist dem Anderen dafür, daß er ihre Überfülle an- und aufnimmt, dankbar: „… ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.“

Wer das verstanden hat, wird niemals behaupten er sei erleuchtet. Sterne werden nicht erleuchtet, Sterne leuchten – ihr leuchten ist der Überfluß ihres inneren Lichtes.

Du leuchtender Stern!
Was wäre dein Glück, wenn du nicht die hättest,
denen du aus der Überfülle deines Lichtes leuchtest!

Das Gesetz, der Wille und die Liebe

Jeder Stern unterliegt den Gesetzen seiner Sternhaftigkeit, diese machen ihn erst zum Stern, zieht aber dennoch seine eigene, individuelle Bahn. Jeder Mensch unterliegt den Gesetzen seiner Menschhaftigkeit, diese machen ihn erst zum Menschen, gestaltet aber dennoch, auf dieser Basis, seinen eigenen, individuellen Lebensweg. Die Grundlage des Menschseins sind die Gesetze der Menschhaftigkeit wie sie im „Buch des Gesetzes“, dem „Liber AL“, beschrieben sind.

„Das Wort des Gesetzes ist Thelema“, d.h. das Gesetz, in Worte gefaßt, lautet: Thelema.  „Gesetz“ ist die Bedeutung des Wortes „Thelema“. Wille bedeutet: das  Gesetz verwirklichen. Das autonome Gesetz äußert sich im Tun als Wille.

„Tue was du willst sei das ganze Gesetz“, d.h. Dein Wille sei die Äußerung des Gesetzes das du bist im Tun. Warum „sei“ (shall be)? Weil es nicht um Wirklichkeit geht, sondern um Möglichkeit – aber dazu weiter unten mehr.

Das AL, das Buch des Gesetzes, ist das Buch deines Willens, soweit er überpersonal ist (Rahmengesetz, Verfassung). Dieses Gesetz mußt du genausowenig anerkennen wie ein Naturgesetz – es wirkt so oder so.

Das AL kann dir nichts über die Zukunft sagen … bzw. genausoviel wie die Naturgesetze: Es zeigt dir, wie du im innersten deines Wesens funktionierst – ob du willst oder nicht. Dieses innerste ist die Quelle deines Wollens und deshalb von deinem Ich-Wollen unabhängig. Aber es ist nichts Fremdes, denn aus dieser Quelle entspringt erst dein Ich-Wollen – und auch dein Verstand, deine Gefühle und deine  Vernunft.

Gegen das Gesetz kannst du nicht ankommen, denn es ist das Gesetz deines Menschseins – es ist deshalb egal ob du das Gesetz anerkennst, es wirkt so oder so. Natürlich sind die Wirkungen unterschiedlich, wenn du das Gesetz anerkennst wirkt es anders als wenn du es ablehnst. „Abrahadabra, der Lohn des Ra-Hoor-Khu“ und „Ich bin ein Gott des Krieges und der Rache“, anders gesagt: dein Handeln hat Konsequenzen.

Wenn dir die Naturgesetze nicht passen kannst du aus dem Fenster springen um auf die Straße zu gelangen …  oder du anerkennst die Naturgesetze und nimmst den Fahrstuhl.

Im AL steht: „Liebe ist das Gesetz“ und „Das Wort des Gesetzes ist Thelema“, d.h.  das Wort der Liebe ist Thelema. Das Wort Thelema bezeichnet Liebe. Die Liebe wird dranghaft gewollt, ist der triebhafte Wille, ist das Gesetz, weil man sich nicht entziehen kann – weil es ein Überfließen ist. Da nun aber die Liebe „unter Willen“ sein soll liegt hier keine hierarchische, sondern eine heterarchische Struktur vor: Liebe über Willen und Willen über Liebe (Escher hat solche Strukturen in vielen seiner Zeichnungen dargestellt).

In „Thelema“ sind Gesetz, Liebe und Wille als Struktur unsere innersten Seins und als Tun unseres innersten Seins gleichgesetzt. Das Liber AL ist das Gesetz wie es für alle Menschen als Sterne gilt – und jeder Mensch kann auf dieser Basis – und nur auf dieser Basis – einen individuellen Stern aus sich erschaffen.

Woran kann man nun erkennen, ob man nur biologischen Trieben oder seinem inneren Gesetz folgt, wie kann man diese unterscheiden?

Thelema ist ein Tun aus innerer Überfülle
die zu kreativer Verwirklichung überfließt.
Es ist kein begehrender Wille der auf einen Zweck gerichtet ist,
sondern Tun aus innerem Überquellen.

  • Das innere Gesetz beendet den inneren Bürgerkrieg, du wirst sozusagen wieder ganz.
  • Das innere Gesetz ist ein Gesetz der Liebe, du beendest Neid, Streit, Statuspiele und Konsumverhalten. Du gibst aus innerer Überfülle – ohne Zwang, aus Drang und ohne etwas zu verlieren.
  • Das innere Gesetz steht im Liber AL, frage das AL.

Warum nur im AL? Diese Frage beantwortet sich, wenn wir die Themen Freiheit und Wahrheit in unsere Überlegungen einbeziehen.

Freiheit … süße Freiheit

Freiheit ist weder nur Handlungsfreiheit, die hat jedes Tier in freier Wildbahn, noch ist es Willensfreiheit, denn die Freiheit des Willens oder auch den freien Willen müßte man irgendwo im Innern des Menschen finden können – aber man sucht seit 200 Jahren (Kant) vergeblich.

Freiheit ist Möglichkeit für die Möglichkeit, d.h. Freiheit ist das Vermögen Möglichkeit als Möglichkeit zu erfahren – und erfahren wird Freiheit als Wieder-holung, als das wieder holen von Möglichkeiten, also als Befreiung. Freiheit ist kein Zustand, sondern ein Verhaltensvollzug (Prozeß).

Freiheit ist somit die Offenheit des menschlichen Daseins selbst, die Möglichkeit sich in einer Welt zu verhalten, und damit auch die Offenheit dieser Welt. Allerdings kommt Freiheit so nie allein den Menschen zu – man kann sie nicht in ihren Gedanken und Erlebnissen lokalisieren -, sie gehört zum Wesen der Welt, in der sich menschliches Dasein vollzieht.

Um das am Gegenbegriff zu verdeutlichen: Unfreiheit liegt nicht in den Vorprägungen und Festlegungen durch eine Welt – das sind die Grenzen der Freiheit, ohne welche sie gar nicht möglich ist -, sondern darin, daß man die Offenheit der Welt und das Möglichsein des Daseins nicht durchschaut und so in der Unmittelbarkeit vermeintlich sicherer Orientierungen, wie vor allem die Sprache sie bietet, gefangen bleibt.

Aber wir leben gewöhnlich im Gefängnis der Selbstverständlichkeiten, der selbstverständlichen Wahrheiten, der Sprache.

Wahrheit ist nur als Abenteuer

In der Sprache gibt es keine Wahrheit, diese gibt es nur im Verhaltensvollzug – und nur auf dieser Basis kann sprachlichen Äußerungen Wahrsein oder Falschsein zugesprochen werden. Jede  nicht zu einem Satz stilisierte Aussage ist ein Verhalten. Eine Aussage ist wahr, wenn sie mit weiterem auslegenden Verhalten vereinbar ist, sie ist falsch, wenn sie mit einem weiteren Verhalten zu dem Begegnenden unvereinbar ist.

Wir erfahren immer „etwas als etwas„, z.B. deuten wir dieses unscharfe Gebilde in der Nacht am  Wegesrand als Busch oder als Reh. Um das tun zu können müssen aber beide Möglichkeiten verfügbar sein. Etwas muß auf Möglichkeiten hin erfahren werden, damit es eine Deutung dieser Möglichkeiten überhaupt geben kann. Je nach Deutung ergeben sich verschiedene Verhaltensmöglichkeiten und diese können dann mit dem  weiterem Verhalten zu dem Gedeuteten vereinbar oder unvereinbar sein: Ich klatsche in die Hände um das Reh zu verscheuchen, aber der Busch bleibt stehen. Nun kann ich entweder ängstlich weitergehen, vielleicht ist das Reh ja stehengeblieben weil es tollwütig ist, oder hingehen und nachschauen und entdecken, daß das als Reh gedeutete Gebilde ein Busch ist. Im ersteren Fall habe ich mich dem Entdeckbaren, der Wahrheit, verschlossen, im letzeren Fall habe ich mir die Wahrheit eröffnet.

Wahrheit ist über das Bestimmte hinaus, ist das Unbestimmte. Sie ist das, was sich zunächst und zumeist nicht zeigt. Die Erfahrung des Unbestimmten, der Wahrheit, muß durch den Abbau des Bestimmten erst freigelegt und entdeckt werden. Da im konkreten Leben jede Erfahrung eine neue und andere ist, ist Wahrheit nicht ein Ding  das man haben, „wie klingende Münze einstreichen“, kann, sondern der Prozeß des Freilegens und Entdeckens des Unbestimmten.

Man kann es einem Glas nicht ansehen, daß es zerbrechlich ist, man kann es einem Füllfederhalter nicht ansehen, daß er zum Schreiben gemacht ist, man kann es einem Reh nicht ansehen, daß es gekocht und gegessen werden kann. Die Wahrheit erfährt man, wenn man die Zerbrechlichkeit des Glases erfährt, weil es zerbricht. Wahrheit ist wie Freiheit ein Verhaltensvollzug.

Sowohl Wahrheit als auch Freiheit betreffen den Umgang mit Möglichkeiten. Freiheit besteht im Erfahren und Ergreifen von Möglichkeiten, „Möglichkeit für die Möglichkeit“.  Wahrheit ist desgleichen das Erfahren und Ergreifen von Möglichkeiten, wir können uns dem Entdeckbaren verschließen oder es uns erschließen. Freiheit und Wahrheit sind verschiedene Perspektiven auf das Abenteuer des Entdeckens.

Die Unwahrheit des Scheins ist Unfreiheit,
die Wahrheit des Seins ist Freiheit.
Freiheit ist nur in der Wahrheit möglich,
Wahrheit ist nur in der Freiheit möglich.

Im Gefängnis der Sprache

Die normale Sprache spricht das Offensichtliche, das Vorliegende und Selbstverständliche, das sogenannte Wirkliche: etwas als etwas – was jederman  kennt und versteht. Die normale Sprache kann, weil sie Tradition, Bestätigung und Gewohnheit ist, weil sie immer auf das Vorfindliche zeigt, sie soll und will ja verstanden werden, nicht darüber hinaus. Damit gibt die Sprache bestimmte Möglichkeiten vor und schließt andere Möglichkeiten aus.

Das Entdeckbare ist in der Sprache immer schon entdeckt, selbstverständlich und gegeben. Die Forderung „verständlich“ zu sprechen oder zu schreiben ist die Forderung das Unbestimmte und Unentdeckte auszuschließen, nur das Selbstverständliche zu sagen. Damit werden Wahrheit und Freiheit ausgeschlossen – und wir sind im Gefängnis der Sprache eingeschlossen.

So kann z.B. die Frage, „Wer will ich wirklich sein?„, in der normalen Sprache zwar ausgedrückt, aber nicht wirklich gestellt werden. Durch den sprachlichen Ausdruck ist sie schon auf das Selbstverständliche und Offensichtliche bezogen – und damit verstellt. Die wahre Antwort auf diese Frage kann nur ein freier und entdeckender Verhaltensvollzug sein, das Erkunden von Möglichkeiten, die aber selbst erst freigelegt werden müssen.

Erlösung …

Das Liber AL vermag uns, weil es nicht-normale, d.h. eine poetische, lyrische, nicht-referentielle Sprache der Widersprüche spricht, aus den Fesseln der Sprache zu befreien, aber nur, wenn man das Ganze AL – mit allen seinen Absonderlichkeiten – vollständig inhaliert, es in sich wirken und zum – Überquellen gelangen läßt. Das Interpretieren von Einzelversen oder Teilen des AL bleibt notwendig im Gefängnis von Sprache. Die Dynamik des Ausbruchs der Befreiung entfaltet erst das Ganze AL und das AL als Ganzes.

Der vorhergehende Absatz trifft auf jedes wirkliche Kunstwerk zu – nicht natürlich auf alle Gebilde die sich Kunst nennen. Wirkliche Kunst ist „ins Werk gesetzte Wahrheit“. Ein Kunstwerk eröffnet bisher unentdeckte Möglichkeiten, führt uns in das Unbestimmte, d.h. in die Wahrheit. Nur im entdeckenden Verhalten gegenüber dem Kunstwerk kann das Werk neue Möglichkeiten eröffnen, d.h. sich als „ins Werk gesetzte Wahrheit“ zeigen. Nur im eigenen entdeckenden Verhaltensvollzug dieser neuen Möglichkeiten kann diese Wahrheit erfahren werden.

Das Liber AL ist das paradigmatische Kunstwerk des Neuen Äons und fordert den Menschen auf sich selbst zum Kunstwerk zu erschaffen, sich selbst zu einer „ins Werk gesetzten Wahrheit“ zu verwirklichen.

Ein entdeckendes Verhalten mit dem AL vermag uns, indem wir über die Fesseln des Offensichtlichen hinaus, vorher nicht entdeckte, nicht einmal denkbare, Möglichkeiten entdecken, zu befreienden Verhaltensvollzügen zu führen … deshalb:

Das Liber AL vel Legis ist das
Kompendium der Freiheit

Es ist durch keinen anderen Text ersetzbar.  Aber

Die Rezeption von Kunst, wenn sie
„ins Werk gesetzte Wahrheit“ ist,
kann das Liber AL ergänzen.

Das Erschaffen von Kunst , als

„ins Werk gesetzte Wahrheit“,

ist der Königsweg das Liber AL zu verstehen.

Das Leben von Kunst, als Dasein
„ins Werk gesetzter Wahrheit“,
ist das Gesetz.

Copyright © 2003 FCA


Michael Eschner initiierte die Gemeinschaft Thelema Society und ist Autor zahlreicher Bücher.

Autorenseite: Michael D. Eschner

4 Kommentare zu „Die Botschaft der Thelema Society

  1. Kunst heißt so zu spielen als ob …. mach noch so viele Worte und noch mehr, das Mysterium wird damit nicht erfasst, ohne es, kein Wort, kein Bild, alles ist bereits im Mysterium, dass da Leben heiß integriert. Fröhliches Fest lieber Aaron.

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  2. Dies erinnert mich an den «conatus» in der Philosophie Baruch Spinozas (inneres Streben, Begehren). Der «conatus» ist dort das Wesen des Menschen sowie der göttliche Funke. Man kann es auch mit dem Begriff des «virtù» in der Zeit der Renaissance, z.B. bei Niccolò Machiavelli, vergleichen: Tatendrang oder die Energie, etwas zu bewirken.

    Gefällt 1 Person

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