Willkommen in meinem Kopf, Ich träume doch nur (v. Claas Hoffmann)

Ich träume doch nur

Ist es überhaupt jemals gut, sich von Synchronizitäten leiten zu lassen?

Natürlich. Es gibt genügend berühmte Erfinder, die ihre Entdeckungen nur einem Traum oder einem Zufall zu verdanken haben. Genauso gibt es Synchronizitäten, die nichts weltbewegendes zur Folge haben. Außer, daß sie einen schwer zu reparierenden Riß im Bewußtsein des Betroffenen hinterlassen. Einen Riß in seinem Bewußtsein über die Reihenfolge von Ursache und Wirkung.

Als ich gerade ein paar Wochen in eine neue Wohnung am Fischmarkt 11 in Stade gezogen war, hatte ich einen seltsamen Traum. Ich träumte nur von Händen. Da war eine Frauenhand mit rotlackierten Fingernägeln, daneben meine Hand. Dann war meine Hand plötzlich die Frauenhand. Dann wieder nicht. Nun sah ich, daß der Fingernagel meines Ringfingers eine kleine Verletzung hatte. Am Nagelbett fehlte ein Stückchen Fingernagel. Jetzt erschien eine Arzthand. Ich sah den Ärmel eines weißen Kittels. Die Hand hielt eine Pinzette und entfernte damit ein kleines Stück vom Nagellack der Frauenhand und versuchte, mit diesem Lack meine Verletzung zu reparieren. Da klingelte das Telefon. Ich torkelte schlaftrunken an den Apparat und nahm ab. „Hier ist Claas.“ „Ist da nicht das Nagelstudio?“ „Was, wieso Nagelstudio, das hab ich doch gerade geträumt.“ „Wie bitte?“ „Nein, hier ist nicht das Nagelstudio.“ „Entschuldigung, auf Wiederhören.“ „Tschüs.“

Nicht das Mädchen, das vor mir in der Wohnung lebte, sondern die Frau, die die Wohnung vor ihr mietete, hatte hier ein kleines Nagelstudio betrieben. Das wußte ich aber damals nicht. Das begriff ich erst, als einige Wochen später ein Herr anrief, sich räusperte und fragte, ob ich nur Nagelpflege machen würde oder auch Beinhaar-Entfernung.

Ein paar Tage vor meinem Nagelstudio-Traumerlebnis bekam ich Post von Peter-Robert König aus der Schweiz. Peter schickte mir verschiedene Kopien aus Büchern und von Artikeln über „Baphomet“, die mich interessierten. „Baphomet“ war das Idol der Tempelritter. Am Ende seines Briefes schrieb er: „Ich habe noch einen Artikel von Michael Paul Bertiaux über Lycanthropic Sex Magick, willst du die haben und übersetzen für die AHA?“ (Die AHA ist die „Abrahadabra“, jene Zeitschrift über Magie, für die ich das erstemal die Robert-Geschichte aufgeschrieben hatte.) Ich schrieb Peter, ich wisse nicht, was „Lycanthropic“ bedeutet, aber er solle mir den Artikel schicken.

In der folgenden Nacht träumte ich, ich würde in der Marsch, im urzeitlichen Elbstromtal bei Horneburg, wo meine Eltern wohnen, herumlaufen. In meinem Traum war alles wie in der Wirklichkeit:

Grüne Wiesen, Kühe und Plantagen von Obstbäumen.

Die Sonne ging unter. Der Himmel bewölkte sich bedrohlich schnell, und ein unheimlicher Wind kam auf. Da hörte ich den Atem eines Werwolfes, der immer näher kam. Wohin sollte ich fliehen? Ich war nur mit einem verbogenen, silbernen Löffel bewaffnet. Ich lief nicht in den Ort zu meinem Elternhaus, sondern von der Marsch hinauf auf die Geest in den Wald. In diesem Wald steht in Wirklichkeit, wie in meinem Traum, eine Hütte bei Karpfenteichen. Dort, wo der Waldrand an die Auewiesen grenzt. Diese Hütte hat mein Opa mit Freunden zusammen ausgebaut, um dort Karten zu spielen und Karpfen zu fischen. In meinem Traum floh ich in eben diese Hütte. Für einen kurzen Moment sah ich einen der Freunde meines Opas, „Onkel Otfried“, der aber gleich darauf wieder verschwunden war. Dann sah ich, daß mein roter Futon in der Hütte lag. Ich schloß die Tür, lehnte mich mit meinem Rücken dagegen und dachte: „Gott sei dank, hier bin ich erst einmal in Sicherheit.“ Dann erwachte ich.

Zwei Tage später bekam ich wieder Post von Peter. Er hatte mir zum Übersetzen Crowleys „Konx Om Pax“ geschickt und nicht den Artikel über „Lycanthropic Sex Magick“. Aber außen, auf der Rückseite des Briefumschlages stand geschrieben:

„Lycanthropic = Werwolf, folgt später.“

Tollkühne Piloten über Peru                                   The Time and Space Society →

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