Willkommen in meinen Kopf, Tollkühne Piloten über Peru (v. Claas Hoffmann)

Tollkühne Piloten über Peru

Um Verhandlungen mit der Brauerei Clever zu führen, die gerne alleiniger Bierlieferant für ein Restaurantschiff sein wollte, welches Erich bald eröffnen würde, hatten sich Erich, meine Mutter, ich und ein Getränkegroßhändler von einem Clever-Vertreter in ein nobles Restaurant einladen lassen. Ich hatte mir kürzlich die Haare geschnitten und mir zum Essen einen Schlips umgebunden. Alles war schön eklig steif, aber nach dem dritten oder vierten Bier begannen besonders „Herr Clever“ und Erich langsam aufzutauen.

„Herr Clever“ erzählte von einem Abenteuer, das er in Peru erlebt hatte:

Er war in ein kleines Flugzeug gestiegen, um von einem Ort in den Anden zum nächsten zu gelangen. Während des Fluges merkte er, daß sich der Pilot kaum für die Berge vor und unter ihm interessierte, sondern den Playboy las. Nach der Schilderung von „Herrn Clever“ mußte er mehrmals schreien und hätte sich vor Angst fast in die Hose gemacht, wenn der Pilot in der letzten Sekunde das Flugzeug über einen Berggipfel zog.

Erich hatte selbst ein haarsträubendes Abenteuer mit einem Piloten in Peru erlebt und erzählte nun seine Geschichte:

Er war als Seemann in Peru und hatte beim Landgang zusammen mit seinem Freund einen Piloten kennengelernt und diesen überredet, sie auf einen Flug mitzunehmen. Sie wollten einfach nur das Land von oben sehen. Der Pilot war schon ziemlich betrunken, aber die beiden Seemänner waren mutig und jung. Sie gingen zu der Piste, wo das kleine Flugzeug stand. Der Pilot hatte seine Flasche dabei und soff immer noch. Sie stiegen ein, und der Betrunkene startete die Maschine, ohne vorher irgend etwas an seinem Flugzeug zu kontrollieren. Sie flogen zunächst zum Hafen, wo sie einige Sturzflüge auf ihren Kümo machten, während Erich und sein Kumpel photografierten. Dann steuerte der Pilot auf das offene Meer zu, klappte zusammen und war eingeschlafen. Nach zehn Minuten Panik gelang es den Seeleuten, den Piloten zu wecken und zurückzufliegen.

„Von den Photos habe ich einen ganz tollen Diavortrag gemacht“, erzählte Erich. „Ich habe zu diesen Dias passende Musik gesucht und zusätzlich auf das Tonband mit der Musik die Geschichte erzählt. Ja, aber das ist ja die Musik, das ist genau original die Musik von meinem Diavortrag. Die, die hier im Restaurant gerade im Hintergrund spielt. Ja das ist ja witzig. Ja das ist ja wirklich witzig.“ Erich verkauft heute kein Clever auf seinem Schiff, er ist in dieser Hinsicht vollkommen unsensibel und hat sich für andere Brauereien entschieden.

Beziehungswahn                                                                        Ich träume doch nur →                                               

3 Kommentare zu „Willkommen in meinen Kopf, Tollkühne Piloten über Peru (v. Claas Hoffmann)

  1. In Peru habe ich gelernt, dass es auch ohne Vorschriften geht. So war ich in Iquitos und dort gab es quasie nur Zweiäder, Mopeds und Mofas, kaum eine Ampel, kaum Schilder und trotzdem erlebte ich in den 2 Tagen nie einen Unfall. Man einigte sich einfach untereinander ohne auf die Regeln zu achten. Wenn die Ampel rot war, war das schlicht egal, man fuhr trotzdem weiter und natürlich ohne Blinker und einmal habe ich ein schönes großes Loch mitten auf dem Gehweg nachts „entdeckt“, ohne Absperrung oder Warnhinweise oder zumindest das es eine Lichtquelle gab. Für mich war dies der Beweis, das Menschen auch ohne irgendwelche (absurden) Regeln leben können, denn man klärt es unter sich und man trägt einfach mehr Eigenverantwortung, als hier im zivilisierten Westen.

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