Willkommen in meinem Kopf, Beziehungswahn (v. Claas Hoffmann)

Beziehungswahn

Synchronizitäten entstehen immer im Kopf. Es gibt keine objektive Synchronizität, oder?

Nehmen wir an, eine bestimmte Stelle auf dem Mond wird zum erstenmal photographiert. Beim zweiten Photographieren derselben Stelle ist ein neuer Mondkrater zu sehen. Zwischen Photo Nr. 1 und Photo Nr. 2 ist hier also ein Meteorit eingeschlagen.

Nehmen wir weiter an, zwanzig Jahre nach Photo Nr. 2 wird diese Stelle des Mondes das erstemal auf Video aufgenommen. Es wird gefilmt, wie genau in den neu geformten Krater ein weiterer Meteorit einschlägt. Diese Synchronizität hätte nichts mit Gedanken zu tun, sie wäre einfach ein Gipfel der Unwahrscheinlichkeit.

Zwei Meteorite schlagen in einem Zeitabstand von 20 Jahren an genau der gleichen Stelle ein.

Alle anderen, nicht in diesem Sinne materiellen Synchronizitäten sind ausschließlich gedanklich und hängen nur mit unserer Aufmerksamkeit zusammen.

Menschen, die unter Beziehungswahn leiden, sind meist dem Zwang ausgesetzt, den Synchronizitäten, die sie wahrnehmen, zu folgen. Wenn sie denken: „Ich glaub, ich geh jetzt meine Freundin besuchen“, und neben ihnen steht eine Mutti mit Kind, und das Kind fragt leise: „Darf ich ein Eis?“, und die Mutti ruft laut und genervt: „Nein!“ Dann geht der Beziehungswahnsinnige nicht seine Freundin besuchen.

Alle Orakel, das Tarotspiel, das I-Ging, die Runen und was es sonst noch alles gibt, beruhen auf Synchronizitäten und der Annahme, es sei für das persönliche Glück förderlich, diesen Synchronizitäten zu folgen. Es gibt aber genauso viele Synchronizitäten, die scheinbar keinen guten oder schlechten Rat beinhalten, sondern schlicht und einfach wahnsinnig machen. Wenn man ein sensibles Kerlchen ist. Wenn man kein sensibles Kerlchen ist, nimmt man die meisten „Zufälle“ gar nicht wahr. Falls doch, vergißt man sie schnell und mißt ihnen keine Bedeutung bei. Ein solcher Mensch ist z.B. Erich, mein Vater. Der steckt die tollsten Synchronizitäten locker weg und lebt weiter, als wäre nichts gewesen.

Roboter Robert                                                              Tollkühne Piloten über Peru

4 Kommentare zu „Willkommen in meinem Kopf, Beziehungswahn (v. Claas Hoffmann)

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