Thelema in der Apokalypse (v. Claas Hoffmann)

Mit freundlicher Erlaubnis von Claas Hoffmann

Die Apokalypse, Crowleys Lieblingskapitel der Bibel, kündigt das Kommen des Tieres 666 an. Crowley identifizierte sich mit diesem Tier, dem Antichristen. Nach thelemitischem Glauben endete das christliche Zeitalter im April 1904 mit der Niederschrift des Buch des Gesetzes, womit das neue Zeitalter des Horus begann. Der Schreiber der Apokalypse sieht den Abschluß des christlichen Zeitalters in der Wiederankunft Christi. Das christliche Zeitalter wird also nicht abgeschlossen und von einem anderen abgelöst, sondern etabliert sich nach 2000 Jahren für die Ewigkeit.

Obwohl sich Crowley als das Tier 666 eindeutig auf die Apokalypse bezieht, leugnet er den in der Apokalypse prophezeiten Untergang des Tieres. Die Thelemiten bestehen darauf, daß sich der heilige Johannes, der Seher der Apokalypse, in seiner Vision von der Niederlage des Tieres versehen hätte. Hätte sich aber Johannes mit seiner Vision von der Niederlage des Tieres versehen, so hätte sich, mit dem Sieg des Tieres, das christliche Zeitalter nie vollkommen manifestiert. Warum sollte dies aber in der Abfolge der Aeonen so geschehen?

Thelema bezieht sich auf die Vision des heiligen Johannes und übernimmt gerne Babalon, die heilige Hure und die Zahl des Tieres. Was nicht gefällt wird weggelassen.

Christus kämpft in der Apokalypse mit einem zweischneidigen Schwert aus seinem Munde. Ein zweischneidiges Wort ist ein doppeldeutiges Wort. Gibt es in diesem letzten Kapitel des neuen Testamentes versteckte Hinweise darauf, daß nicht die Niederlage des Tieres, sondern der Sieg des Tieres beschrieben wird? Können wir, wenn wir nur genau hinsehen, erkennen, daß sich der Schreiber der Apokalypse nicht geirrt hat, sondern mit einem zweischneidigen Schwert aus seinem Munde den Sieg des Tieres beschreibt?

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt:

Offenbarung V, 1-7: Und ich sah in der Hand deß, der auf dem Stuhl saß, ein Buch, geschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen großen Engel predigen mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen? Und niemand im Himmel, noch auf Erden, noch unter der Erde konnte das Buch aufthun und darein sehen. Und ich weinte sehr, daß niemand würdig erfunden ward, das Buch aufzuthun, noch darein zu sehen. Und einer von der Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Judas, der Wurzel Davids, aufzuthun das Buch und zu brechen seine sieben Siegel. Und ich sah und siehe, mitten im Stuhl und den vier Tieren, und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm, wie es erwürgt wäre; (in anderen Übersetzungen „geschlachtet“) und hatte sieben Hörner und sieben Augen welches sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande und es kam, und nahm das Buch aus der rechten Hand deß, der auf dem Stuhl saß.

Das einzige Wesen im Universum, das würdig ist, das „Buch des Lebens“ aus der Hand Gottes zu nehmen und seine Siegel zu brechen ist ein Lamm mit sieben Köpfen. Dieses Lamm wird angekündigt als ein Löwe und sieht aus als wäre es geschlachtet bzw. erwürgt.

In der christlichen Tradition wird dieser Löwe, der ein ermordetes Lamm ist, mit dem geopferten Christus identifiziert. Hier beginnt die Zweischneidigkeit der Worte damit, daß ein Löwe angekündigt wird und ein ermordetes Lamm mit sieben Köpfen erscheint. Um welches Tier handelt es sich hier?

Im Crowley-Tarot, im Tarot des neuen Zeitalters sitzt ein Lamm zu Füßen des Kaisers. Ein Kaiser im Aeon des Horus, unterstützt vom christlichen Lamm?

Da das Lamm der eigentliche Star der Apokalypse ist, sollte hier auf einen interessanten phonetischen Zusammenhang zwischen Crowleys Schutzengel und dem Lamm hingewiesen werden. Laut P.R. Königs „Abramelin & Co“ identifizierte Crowley die außerirdische Intelligenz LAM mit AIWASS, seinem Schutzengel. Ist die außerirdische Intelligenz LAM identisch mit dem Lamm?

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt:
Am verblüffendsten in der Apokalypse erscheint mir die Tatsache, daß in der aus dem Himmel herniederfahrenden Stadt Gottes große (thelemitische?) Freiheit herrscht:

OffenbarungXXI: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmükte Braut ihrem Mann. Und hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die Sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht zu mir: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. ( … ) Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen und ein jeglich Tor war von einer Perle, und die Gassen der Stadt waren lauteres Gold wie durchscheinend Glas. Und ich sah keinen Tempel darin, denn der Herr, der Allmächtige Gott, ist ihr Tempel und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in ihrem Licht, und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. Und die Tore werden nicht verschlossen des Tages, denn da wird keine Nacht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Heiden in sie bringen.“

DAS ist das zweischneidige Schwert mit dem der Christus kämpft. Erst werden die Heiden zerschmettert wie brüchige Tongefäße und plötzlich heißt es: Ihr habt Herrlichkeit und Ehre. Herzlich Willkommen in meiner bescheidenen Hütte. Fühlt euch wie zu Hause!

Offenbarung XXI:27: „Und es wird nicht hineingehen irgend ein gemeines und das da Greuel tut und Lüge, sondern die geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes.“

Das Lebensbuch des Lammes = Das Liber AL vel Legis?

Offenbarung 22.: Und er zeigte mir einen lautern Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Kristall, der ging aus von dem Stuhl Gottes und des Lammes. Mitten auf ihrer Gasse auf beiden Seiten des Stroms stand Holz des Lebens, das trug zwölfmal Früchte alle Monate; und die Blätter des Holzes dienten zu der Gesundheit der Heiden.“

Pflanzen für Heiden in der Stadt Gottes? Was sind Heiden? Jene, die nicht vor Jehova im Staub kriechen sondern glauben, was sie wollen.

„Und es wird kein Verbanntes mehr sein. Und der Stuhl Gottes und des Lammes wird darin sein; und seine Knechte werde ihm dienen, und sehen sein Angesicht; und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und wird keine Nacht da sein und sie werden nicht bedürfen irgendeiner Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

SIE werden regieren. Wenn alle in der Stadt regieren, herrscht echtes TU WAS DU WILLST in dieser Stadt. Es gibt im Liber AL vel Legis einige Hinweise, daß der Christus der Apokalypse ein Schlüssel zum Gesetz von Thelema ist. So heißt es:

Liber AL vel Legis I 46: „Nichts ist ein geheimer Schlüssel dieses Gesetzes. Ein und sechzig nennen es die Juden; ich nenne es. Acht, Achtzig, Vierhundert und achtzehn.“

In der griechischen Kabbala ergibt Jesus 888, Christus ergibt 1480. Der kabbalistische Zusammenhang mit dem AL Vers ist offensichtlich. Auch ergeben die griechischen Worte von „und seine Zahl ist 666“, so wie es im griechischen Original der Apokalypse steht, zusammen 2368, also die Zahl von Jesus + Christus. Oberhalb des Abyss sind die Gegensätze Einheit. Es gibt dort keinen Christ und einen Antichristen. Christus und 666 sind dort eine Intelligenz jenseits der Dualität. Unterhalb des Abyss ist diese Ansicht unverständlich und der Thelemit wird rufen: Das Tier soll gewinnen!

Welches Tier? Ein Käfer, ein Ziegenbock, ein Schaf oder ein Drache, oder eine Mischung aus allen? Es wurde hier die Frage gestellt:

„Hätte sich aber Johannes mit seiner Vision von der Niederlage des Tieres versehen, so hätte sich, mit dem Sieg des Tieres, das christliche Zeitalter nie vollkommen manifestiert. Warum sollte dies aber in der Abfolge der Aeonen so geschehen?“

Diese Aussage erweckt zunächst den Eindruck, als unterstelle sie, daß sich erst eine vollständige Manifestation des christlichen Zeitalters verwirklichen müßte, bevor das „neue Zeitalter“ geboren werden könnte. Nun bedeutet aber die vollständige Manifestation des christlichen Zeitalters die Etablierung dieses Zeitalters für die Ewigkeit. Bedeutet dies das Ende des Wechsels der Aeonen, bedeutet dies Stillstand und Tod? Niemals, denn Christus spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“.

Was könnte dies anderes bedeuten, als die Manifestation eines neuen Zeitalters, die Manifestation der Nuit?!

Webseite von Claas Hoffmann

 

 

Ein Kommentar zu „Thelema in der Apokalypse (v. Claas Hoffmann)

  1. Das ist das schöne am Buch der Offenbarung: Es ist so verworren, kryptisch und phantastisch, dass es Myriaden von Interpretationsmögichkeiten gibt. Jeder kann sich seine eigene Lieblingsinterpretation zusammen basteln. 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s