Crowleys Kommentar zu Nuit Vers 3

Hadit 3

Die in dieser Klammer gesetzten [Anmerkungen] sind von mir, die (Anmerkungen) von Crowley

AL I.3 Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.

Diese Arbeit ist vollständig in „The Book of Wisdom or Folly [Liber Aleph]“ behandelt. Seine Hauptaussage ist, dass jeder Mensch ein Element des Kosmos ist, selbstbestimmt und souverän, gleichberechtigt mit allen anderen Göttern.

Daraus folgt logisch das Gesetz „Tue, was du willst“. Ein Stern beeinflusst den anderen natürlich durch Anziehung; aber das sind Vorfälle von selbstbestimmten Bahnen. Es gibt jedoch ein Geheimnis der Planeten, die sich um einen Stern drehen, zu dem sie gehören; aber ich werde an dieser Stelle nicht ausführlich darauf eingehen.

Der Mensch ist das Reich der Mitte. Das Große Königreich ist der Himmel, mit jedem Stern als Einheit; das Kleine Königreich ist das Molekül, mit jedem Elektron als Einheit. (Das Verhältnis dieser drei ist regelmäßig geometrisch, jedes ist 10 bis 22 mal größer als sein Nachbar.)

Siehe „Das Buch des Großen Auk“ [Im Buch Toth, Seite 26 zu finden] für die Demonstration, dass jeder „Stern“ das Zentrum des Universums für sich selbst ist, und dass ein „Stern“ einfach, originell, absolut, zu seiner Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart beitragen kann, ohne aufzuhören sich selbst zu sein; dass sein Weg darin besteht Erfahrungen zu sammeln, und, dass er deshalb Verbindungen eingeht, in denen seine wahre Natur für eine Weile verkleidet ist, sogar vor sich selbst. Analog dazu kann ein Kohlenstoffatom unzählige Proteus-Phasen [Proteus-allzu wandlungsfähiger Mensch, der leicht seine Gesinnung ändert] durchlaufen, die in Kreide, Chloroform, Zucker, Saft, Gehirn und Blut vorkommen, die nicht als „selbst“ der schwarze amorphe Feststoff erkennbar sind, aber als solcher wiedergewonnen werden können, unverändert durch seine Abenteuer.

Diese Theorie ist die einzige die erklärt „warum“ sich das Absolute einschränkte und warum es sich selbst während seines Inkarnationszyklus nicht erkennt. Es verfügt über „Böses“ und den Ursprung des Bösen; ohne die Realität des „Bösen“ zu verweigern oder unsere tägliche Beobachtung und unseren gesunden Menschenverstand zu beleidigen.

Ich zitiere hier (mit ein oder zwei aufklärenden Einfügungen) aus einer ursprünglichen Notiz, welche ich ursprünglich zu diesem Thema gemacht habe.

14. Mai 1919, 18.30 Uhr.
Alle Elemente müssen auf einmal getrennt gewesen sein – das wäre bei großer Hitze der Fall. Wenn Atome zur Sonne gelangen, wenn wir zur Sonne kommen, bekommen wir diese immense, extreme Hitze, und alle Elemente sind wieder sie selbst. Stell dir vor, dass jedes Atom eines jeden Elementes die Erinnerung an all seine Abenteuer in Kombination besitzt. Übrigens, dieses Atom, das mit diesem Gedächtnis angereichert ist, wäre nicht das gleiche Atom; es ist es aber, weil es von überall außer diesem Gedächtnis nichts gewonnen hat. Deshalb könnte ein Ding (obwohl ursprünglich eine Unendliche Vollkommenheit) im Laufe der Zeit und aufgrund des Gedächtnisses zu etwas mehr als sich selbst werden; und so ist eine echte Entwicklung möglich. Man kann dann einen Grund für jedes Element sehen, das sich entscheidet diese Reihe von Inkarnationen zu durchlaufen (Gott, das war eine großartige Vorstellung!), weil er so und nur so gehen kann; und er leidet unter dem Verfall der Erinnerung an Seine eigene Realität der Vollkommenheit, die er während dieser Inkarnationen hat, weil er weiß, dass er unverändert durchkommen wird.

Deshalb habt ihr eine unendliche Anzahl von Göttern, individuell und gleich, aber vielfältig, jeder einzelne von ihnen höchst und völlig unzerstörbar. Dies ist auch die einzige Erklärung dafür, wie ein Wesen eine Welt schaffen könnte, in dem Krieg, das Böse, „etc.“ existieren. Das Böse ist nur eine Erscheinung, denn es kann, wie „Gut“, die Substanz selbst nicht beeinflussen, sondern nur ihre Kombinationen vervielfachen. Das ist in etwa das Gleiche wie der mystische Monismus [philosophisch-religiöse Lehre von der Existenz nur eines einheitlichen Grundprinzips des Seins und der Wirklichkeit], aber der Einwand gegen diese Theorie ist, dass Gott Dinge schaffen muss, die alle Teile von sich selbst sind, damit ihr Zusammenspiel falsch ist. Wenn wir viele Elemente voraussetzen, ist ihr Zusammenspiel natürlich. Es ist kein Einwand gegen diese Theorie zu fragen, wer die Elemente gemacht hat – die Elemente sind zumindest da; und Gott, wenn man nach ihm sucht, ist nicht da. Der Theismus ist „obscurum per obscurius [Das Unklare durch etwas noch Unklareres ersetzen]“. Ein männlicher Stern wird von der Mitte nach außen aufgebaut, ein weiblicher Stern vom Umfang nach innen. Das ist es, was gemeint ist, wenn wir sagen, dass die Frau keine Seele hat. Es erklärt vollständig den Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Quelle: The Hermetic Library


Aleister Crowley initiierte Thelema und den Orden A∴A∴ und war bis zu seinem Tod Oberhaupt des Ordens O.T.O. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Schriften und gilt im Mainstream als der „böseste Mensch des 20. Jahrhundert“.

Autorenseite: Aleister Crowley

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